Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 4 (Mai 1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 119 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 110 jüdischen Religion finden. Den aus dieser Tatsache sich ergebenden, viel näherliegenden Schluß, daß eben diese Mischelemente das gelegentlich Auftreten semitischer Physiognomien erklären, hat Fishberg nicht gezogen, aus dem begreiflichen Grunde, daß dieser Schluß sein ad hoc konstruiertes I'atsachensyst'em zu niehte machen würde. Unsere Palästinaturnfahrt. Von Siegfried Rosen bäum - Königsberg, Turnen, Spiel und Sport, wir haben sie übernommen, wie wir sie bei den Deutschen entwickelt sahen. Und wäre nicht hier und da ein jüdisches Lied bei unseren Wanderfahrten erklungen:, was hätte sonst wohl äußerlich den anders gearteten Geist, die Tendenz unserer jüdischen Turnsache verraten? Da erstand die Idee unserer Turnfahrt nach Palästina. Wie wir die deutschen W'älder durchstreift hatten, so sollten wir nun einmal unserer Väter Land kennen lernen. Der Gedanke, wie ein eitel schöner Traum spielend erst erdacht, dann zum Plane ausgesonnen, viel bekrittelt und noch mehr in seiner Möglichkeit bezweifelt, wurde Wirklichkeit. Und nun hat unsere jüdische Turnbewegung etwas Neues, ihr Eigentümliches: die Rucksackfahrt nach Palästina. Zahlreicher, als wir je geahnt, versammelten wir uns in München zum Kommerse beim gastlichen Verein Jüdischer Studenten (12. 3.). Als endlich die Schlesier uns in Triest erreichten, waren wir 42. Und nachdem uns noch ein schöner Abend mit der Triester Zionistischen Ortsgruppe vereinigt hatte, begann die Fährt (14. 3.). Acht Gruppen mit je einem Gruppenführer an der Spitze, ein von diesen gewählter Führer als Leiter der Gesamtheit, so dachten wir in turnerischer Disziplin der Schwierigkeiten unserer Tour Herr zu werden. Eine echte Turnfahrt war es von Anbeginn. Schon auf dem Dampfer turnten wir regelmäßig am Morgen und am Abend je drei Viertelstunden auf Deck, ein Gegenstand neugieriger Betrachtung für Passagiere und Mannschaft. Und als jr>an uns dann in Kairo empfing, als wären wir braunverbrannten Jungen die Koryphäen der europäischen Judenheit alle insgesamt, und als wir nicht recht wußten, wie wir für die unverdiente Ehrung danken sollten, da wandten wir uu. was wir auf der Fahrt gelernt: wir turnten unsere Freiübungen. Und anganhaltender Jubel zeigte uns, daß wir recht getan hatten, das zu zeigen, was uns junge Juden — vorn nationaljüdischen Standpunkte abgesehen — verbindet: die Freude an körperlicher Kraft und Gewandtheit, Nicht lange mehr, und wir konnten sehen, was unsere Turnbrüder in alästina leisten. Gleich am ersten Tage in Jaffa (20. 3.) zeigten uns die "Makabim“ ihre Kunst. Eine geräumige, für die etwa 80 mitwirkenden Turu*r und Turnerinnen und die sehr zahlreichen Zuschauer kaum ausreichende ”ach einer Seite hin offene) Halle. Gespanntes Interesse in jedem Qe- <cht. Wir ziehen ein. Ein brausendes Hedad empfängt uns, beigeistert ntworten wir. Und nun hören wir zum ersten Mal ein hebräisches Komando. Oft noch sahen wir nach hebräischem Befehl turnen, wie verlor