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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-03-01 · 2 (März 1913) · p. Seite 71

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
2 (März 1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 71 (sequence 37)
Language
German
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No. 2 7) Aufgabe darin suchen, möglichst wenig zu „leiten", mehr anzuregen, groben Ausschreitungenentgegenzutreten, und die natürliche Selbstverwaltung der Abteilung in die rechten Wege zu leiten. Daß die Fahrten der Lehrlinge billig sein sollen, versteht sich von selbst. Interessant war mir jedesmal der Wettbewerb der Jungen, an solchem Sonntag möglichst wenig Geld auszugeben, bei dem auch diejenigen mittaten, denen ihre Mutter beim Abschied ein wohlgerundetes Dreimarkstück in die Hand gedrückt hatte. Selbstverständlich darf sich dabei der Leiter auch nicht ausschließen, sondern muß mit gutem Beispiel vorangehen. Dann noch eins, was den Posten des Jugendleiters so viel umworben werden läßt und ihn zur dankbarsten pädagogischen Arbeit, die sich einem nur bieten kann, macht: Die Möglichkeit persönlicher Einwirkung. Nirgends sonst bietet sich die Gelegenheit, so zwanglos, und niemals sonst ist das jugendliche Gemüt so aufnahmefähig, wie draußen in der freien Natur. Die eigenen Neigungen und Kenntnisse werden da maßgebend sein iiir den Gegenstand, um den sich die Unterhaltung des Führers mit seinen »Leuten" dreht. Am angebrachtesten schien es mir immer, die umgebende Pflanzen- und Tierwelt zum Ausgangspunkt zu nehmen. Ein wenig naturkundliche Kenntnisse und ein heller Blick für die großen Zusammenhänge sind da allerdings vonnöten. Wer es sich da aber nicht versagen kann, trocken und lehrhaft all’ seine Weisheit auszukramen, der soll lieber ganz das Maul halten oder über alltägliche Dinge reden. Dann die Frage Uber das Maß der Tagesleistung, die man der Abteilung zumuten darf. Auch hier eine persönliche Meinung, die gewiß viel Widerspruch finden wird: Ich meine, die Turnfahrten sind verhältnismäßig ■n unseren Vereinen immer noch so selten, daß man gelegentlich ruhig bis nahe an die Grenze der Leistungsfähigkeit herangehen soll. Bei Bekanntgabe der Tour warne man besonders Schwächliche (untüchtige Turner sind oftmals zähe Wanderer!) vor der Teilnahme an solchen Touren, die mit »zahmeren“ abwechseln sollen, von denen sich dann niemand ausschließen darf. Die marschtüchtigen Turner sollen den Leistungsschwachen doch zum mindesten gleichberechtigt sein! Das sind ein paar Anregungen, nichts weiter. Wer sie beiolgt, der wird doppelten Nutzen haben. Er wird selbst mit seinen Jungen lange jung bleiben und sie sich zu einer Anhänglichkeit verbinden, die über die Lehrüngsjahre weit hinausreicht und ihm noch später manche irohe Erinnerung an seine Amtszeit verschafft. Fa. Vom XII. Turnfest der Deutschen Turnerschaft. Der Turnausschuß der Deutschen Turnerschaft hat einstimmig beschlossen, beim Ausschuß dieser Körperschaft zu beantragen. daß der Turn kreis Deutsch -Oesterreich zum Leipziger Turnfeste eingeladen werde. Es dürfte bekannt sein, daß dieser Turnkreis vor mehreren Jahren iniolge der Arierfrage aus der Gemeinschaft der Deutschen Turnerschaft ausschied. Zwar .fehlten z. B. auf dem Frankfurter Turnfest 1908 die Oesterreicher nicht, aber sie waren nicht offiziell eingeladen worden. Fiir Leipzig nun ist zu erwarten, 'laß eine besondere Einladung an diesen großen Turnkreis ergehen wird.

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