Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 2 (März 1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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erfordert als zwei Schritte von je 85 cm Länge, die zusammengenommen den Läufer ebensoweit führen. Der Schritt wird zweckmäßig verlängert: erstens dadurch, daß auf den Zehen gelaufen wird, zweitens durch Hochheben der Knie, und drittens dadurch, daß der Unterschenkel vorgeschlenkert wird sobald das Knie am höchsten Punkte angelangt ist. Es darf hierbei iedoch niemals ein „Stechschritt“ herauskommen, sondern es muß stets eine ledernde Leichtigkeit beibehalten werden. Bei leicht gebeugtem Nacken wird das Kinn ein wenig angezogen und der Körper im ganzen ein wenig nach vorn geneigt, um den Schwerpunkt zweckmäßig in die Laufrichtung zu verlegen. Befolgt man diese wenigen Angaben, ohne irgendwie in Uebertreibungen zu verfallen, so wird man bald merken, wie der Lauf immer leichter und zwangloser vor sich geht und wie das physische Wohlbehagen während des Laufes und nachher merklich zunimmt. Hat man aber einmal mit dieser Uebungsart begonnen, so nehme man sich fest vor, bei jedem Schritt sich eine jede einzelne der Regeln gegenwärtig zu halten, bis sie einem ganz in Fleisch und Blut übergegangen sind. Entschließt man sich später einmal, einen kleinen Wettlauf über eine Strecke von mehreren Kilometern zu veranstalten, so ist das erste Erfordernis für jeden Teilnehmer, daß er seine eigenen Kräite genau abzuschätzen weiß und in jedem Augenblick des Rennens genau beurteilen kann, wie weit nr sich noch verausgaben darf, ohne die nötigen Reserven für den Rest der Strecke preiszugeben. So ausgeübt wird der Waldlauf iür einen jeden Verein eine wertvolle Bereicherung seines Programms bedeuten, und es bleibt nur noch zu hoffen, daß man vielerorts die Vorbereitungen zur Durchführung des Betriebes mit Umsicht und Tatkraft in die Wege leitet. Turnfahrten in Lehrlingsabteilungen. Zu den schönsten, teilweise aber auch recht schwierigen Aufgaben des Turnwartes gehört die Leitung von Tuniahrten. Sie sind so recht geeignet, den Oeist der Zusammengehörigkeit unter den Mitgliedern des Vereines oder der Abteilung zu festigen und zu stärken und die Turner zu einer mehr als zufällig zusammengeführten Gemeinschaft zusammenzuschweißen. In besonderem Sinne gilt das von den Turnfahrten der Lehrlings-Abteilungen, und ein Turnwart, der hier versagt oder überhaupt zum mittun zu bequem ist, gehört nicht auf seinen Posten. Die Aufgaben, die ihm da zufallen, werden gewiß recht verschieden beurteilt und es ist iraglos, daß die Möglichkeiten erzieherischer Einwirkung auf Turnfahrten nicht überall voll ausgenutzt werden. Da möchte ich denn zu Nutz und Frommen meiner Turnbrüder einige Leitgedanken, die für mich jedesmal maßgebend waren, wenn ich meine Lehrlinge aus der Großstadt in die frische Natur hinausführte, zum besten geben: Zwei wöchentliche Abende auf dem Turnboden scheinen mir genug des Kommandierens und Gehorchens zu enthalten, um auf der sonntäglichen Tui;nfahrt die Zügel der Disziplin so weit wie nur irgend möglich zu lockern. Das klingt selbstverständlich und doch habe ich bei solchen Gelegenheiten, besonders wenn jüngere Turnbrüder die Leitung in Händen hatten, unaufhörlich