Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 2 (März 1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 42 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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42 No. 2 Dann wird der Inhalt dieser neuen Institution hinter unseren Erwartungen nicht Zurückbleiben. Wir haben bisher Zweck und Inhalt der Kreisinstitution lediglich vom Standpunkte der turnerischen Organisation betrachtet. Wie aber die ganze jüdische Turnbewegung für uns nur dann wirklich Zweck und Inhalt hat, wenn sie die planmäßige Körpererziehung des jüdischen Volkes mit der Pflege nationaljüdischer Gesinnung vereint, so müssen wir auch bei jeder neuen Institution der „Jüdischen Turnerschaft“ nicht nur fragen, inwiefern fördert sie die planmäßige Körpererziehung, sondern auch inwiefern fördert sie die Pflege nationaljüdischer Gesinnung? Und da müssen wir hoffen, daß gerade diese neue Institution uns die Möglichkeit bieten wird, diese in erster Reihe stehende Aufgabe unserer Turnerschaft in weit höherem Maße zu erfüllen, als uns dies bisher möglich war. Es war von jeher eine große Schwierigkeit, im Vereinsleben, das sich ja zum größten Teile am Turnplätze abspielt, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Die Betonung unseres nationalen Standpunktes bei Vereinsversammlungen und -Veranstaltungen kann doch nur bei sehr bescheidener Auffassung unserer Pflichten in dieser Hinsicht als genügend angesehen werden. Hier muß der Kreis entschieden Hilfe bringen. Er muß in steter Verbindung bleiben mit den Zentralstellen der jüdischen Arbeit seines Landes, er muß für alle Kreisvereine den Anschluß herstellen an die nationaljüdische Bewegung und er muß den Strom der Begeisterung für die moderne jüdische Idee auf seine Vereine überleiten und damit jene Arbeitsfreudigkeit für alle jüdischen Interessen schaffen, die unerläßlich ist, wenn wir die Aufgabe der „Jüdischen Turnerschaft“ in der nationaljüdischen Bewegung mit Ehren erfüllen sollen. Neutralität und Neutralitätsjudentum. Von Nachum Goldmann -Heidelberg. In den inneren politischen und geistigen Kämpfen des modernen Judentums spielt der Begriff der Neutralität, die Idee des Neutralitätsjudentums, eine hervorragende Rolle. Nicht nur diejenigen jüdischen Organisationen, die ihrem Programm nach auf dem Prinzip der Neutralität basieren und dieses Prinzip mit einem Eifer und einer Begeisterung verfechten, daß man leicht auf den Gedanken kommen kann, ihre Neutralität sei ihnen wertvoller als ihr Judentum, auch fast alle übrigen Vereine, sofern sie nicht einer bestimmten Richtung angehören, halten dieses Prinzip hoch. Und all die vielen Vorwürfe und Anklagen gegen die nationale Bewegung, daß sie den Frieden und die Ruhe des Judentums zerstöre und überall Zank und Zwietracht säe, entspringen letzten Endes dieser Vorliebe für die Neutralität und der damit verbundenen Vorstellung des Neutralitätsjudentums. Besonders der nationalen Jugendbewegung, wie sie in der Jüdischen Turnerschaft ihren vornehmsten Ausdruck findet, wird dies vorgeworfen, daß sie die jüdische Jugend ungünstig beeinflusse, indem sie ihr die objektive neutrale Stellungnahme verwehre und sie von vornherein im einseitigen Geiste einer bestimmten Partei beeinflussen wolle. Es dürfte daher wohl wertvoll erscheinen, diesen Begriff der Neutralität und des Neutralitätsjudentums einmal näher