Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 2 (März 1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 39 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 2 30 Zweck und Inhalt der Kreisorganisation. Von Dr. Ludwig Werner-Wien. Es wäre mäßig, an dieser Stelle über die Notwendigkeit und Mügichkeit der Organisation im allgemeinen sich des Weiteren auszulassen, eigt uns doch das tägliche Leben, wie auf kulturellem und wirtschaftichem, auf sozialem und politischem Gebiete überall Organisationen geschaffen werden, die eine notwendige Ergänzung des heute zum Durchsuche gelangten Prinzipes der Assoziation darstellen. Wenn wir nun den Wert einer bestimmten Organisation , beurteilen wollen, müssen wir uns die Fragen beantworten, was ist der Zweck und was der Inhalt dieser Organisation? Und wie dies für die Beurteilung einer Organisation als einer Gesamtheit von Einrichtungen gilt, so gilt dies auch für die Beurteilung einzelner Institutionen, einzelner Teile der Organisation. In der Organisation der „Jüdischen Turnerschaft“, über deren Bedeutung ich hier nicht weiter zu sprechen brauche, ist eine neue Institution, ein neues Organ geschaffen worden: „Der Turnkreis“. Fast könnte man sagen, es hat sich ein neues Organ entwickelt, so logisch notwendig war seine Entstehung. Die „Jüdische Turnerschaft“ hat sich durch den Zusammenschluß der bestehenden jüdischen Turnvereine gebildet. Ihre Organe waren der Turntag und der „Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft". Die wenigen Vereine, die vor nun 10 Jahren bestanden, waren räumlich von einander so weit entfernt, daß der Ausschuß der „Jüdischen Turnerschaft“ nur aus Mitgliedern von Vereinen am Sitze der „Jüdischen 1 urnerschaft“ gebildet werden konnte. Die Beschickung des Turntages aus den verschiedenen Ländern erforderte bei der finanziellen Schwäche der Vereine große Opfer. Der Verkehr zwischen dem Ausschüsse der „Jüdischen Turnerschaft“ und den Vereinen beschränkte sich auf fallweise schriftliche Mitteilungen, die, wie das schon beim Briefschreiben so geht, immer spärlicher wurden, um schließlich ganz auszubleiben. Wohl bestand ein Verbandsorgan in der -Jüdischen Turnzeitung“, aber diese Zeitung ist damals noch unregelmäßig erschienen. Sie war manchmal der hinkende Bote, der die Einladung nach dem Feste brachte. Die Notwendigkeit eines Bindegliedes zwischen dem Ausschüsse der „Jüdischen Turnerschaft“ und den Verbandsvereinen sowie zwischen den letzteren untereinander machte sich bald geltend. Und da cs zur Bildung von Kreisen noch an der nötigen Anzahl von Vereinen gebrach, wurde die Institution der „Obmannschaft“ geschaffen, welche von dem Gedanken ausging, daß die Obmänner der Vereine durch regelmäßige ^usammenkiinfte an geeigneten Orten den Zusammenhang zwischen den »Creinen untereinander und mit dem Verbandsausschusse hersteilen sollten. So vernünftig der Gedanke war, so scheiterte er in der Praxis doch an dem Mangel an Geld, das immerhin für diese, wenn auch nicht allzu weiten Reisen erforderlich war. So tagte denn die Obmannschaft nur gelegentlich der Turntage, um besondere Reisen zu ersparen. . Damit hatte diese Einrichtung ihren besonderen Zweck verloren und der letzte Turnta* hat ihr unter diesen Umständen mit Recht den Garaus gemacht und