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Jüdische Turnzeitung · 1912-06-01 · 6 (6.1912) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
6 (6.1912)
Date
1912-06-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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No. 6 137 Die Spreewaldtour. Nach den Anstrengungen des Turntags, den eifrigen Verhandlungen, den frischfröhlichen Kämpfen auf dem Turnboden und Sportplatz war es den 40 Teilnehmern an der Spreewaldtour eine wohlverdiente Erholung und Ausspannung, am Dienstag, den ganzen Tag lang faulenzen zu dürfen. Nach der Ankunft in Lübbenau ging es in 7 Kähnen unter dem Oberbefehl von Isidor Wolff bis abends um 8 Uhr durch die Fließen und Gräben des wendischen Ländchens. Der Wechsel zwischen Wald, Wiese und Feld erfrischte unsere Nerven. Eine muntere Lustigkeit herrschte auf unserer Flotte. Von Boot zu Boot sprangen unsere Brüder. Die lustigsten steckten die würdigsten ernsten Leute zum Mittun an. Es war eine fröhliche Turnerfahrt. AuGer unseren Rekordweitsprüngen nach dem Ufer wie nach fremden Booten betätigten wir uns fleißig sportlich durch Staken der Boote. Vielseitig waren wir in diesem Sport. Selbst Söhne derselben Stadt hatten eine verschiedene Technik. Die heiterste war die, nach jedem Stoß den Staken im Qrund stecken zu lassen. Nur ein einziger Staken ist abgebrochen, was bei dem ansehnlichen Durchmesser eine anerkennenswerte Kraftleistung darstellt. Beim Mittagbrot gab es Fisch mit Spreewälder Sauce (muß man gegessen haben) und Jonglierkunststücke mit Weinflaschen von Lewin und Wiesen. Auf der Rückfahrt nahmen wir mitten im Wald noch zwei einsame Nachzügler (Kaminskis) auf, die uns auf ihren Streifzügen bei ihrem angeborenen Glücke gefunden hatten. In Lübbenau wurde in einer einzigen Stunde Kaffee getrunken, ein Tanzkränzchen veranstaltet, zu dem eine ganze Kapelle aufspielte, und das Nachtmahl eingenommen. Dann gings in einem Sonderwagen IV. Klasse zurück nach Berlin. Lewin, der große Patzer vom Wettturnen, gab eine Variete-Sondervorstellung (Schlager: Bauchredner, Pantomimen, neueste Couplets). In Berlin ging's schnell noch in ein Kaffeehaus. So waren wir glücklich wieder im alten Gleise, wir fluchbeladenen Sühne der Großstadt. Stefan Doernberg. Festkommers. AnlaUlich des Turntages fand am Sonntag, den 26. Mai. abends 9 Ihr. im Marinehaus ein Festkommeis des J.T. V. Bar Kochba-Berlin statt. Der liesige, festlich beleuchtete Saal war mit ca. 1500 Menschen bis auf den letzten Platz gefüllt. Es war ein herzerfreuender Anblick nach der ermüdenden Arbeit des Tages: An einer Quertafel die Vertreter jüdisch* studentischer Korporationen in Vollwichs mit ihren Fahnen, an drei endlosen Längstafeln nichts als Jugend, lachende, jüdische Jugend. Und wer »och grübelnd an der Zukunft unseres Volkes zweifelt, dem hätte ich einen Blick auf dieses Fest gegönnt. Er hätte unsere Turner und Turnerinnen sehen sollen, denen die Zukunftshoffnung aus den Augen spricht. Er hätte die Begeisterung empfinden sollen, die in unseren jüdischen Jugendliedeni zum Ausdruck kam. Herr Rechtsanwalt Greifenhagen leitete den Kommers. Er begrüßte die zahlreichen Gäste und gab in seinen einleitenden Worten einen Rückblick auf die Entwickelung der jüdischen Turnbewegung. Wie aus kleinen Anfängen die große Organisation der Jüdischen Turnerschaft entstanden sei. In zündenden Worten schilderte er die Bedeutung unseres Erziehungrrtrkes für die Zukunft unseres Volkes und schloß mit einem warmen Appell an die Jüdische Jugend, sich unseren Reihen anzuschließen. Herr Dr. Jalowicz dankte dem Bar Kochba, als dem Gastgeber des Abends. Er würdigte div Arbeit des Bar Kochba für das jüdische Leben in Berlin und schloß mit einem

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