Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 6 (6.1912)
- Date
- 1912-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6 113 tische Anleitung für die Aufnahme des Sports geben, und werde später zu beweisen versuchen, warum wir jüdischen Turner ein besonderes Interesse daran haben, den Sport unmittelbar neben das Turnen zu stellen und für bestimmte 'Kreise der ausgebildeten männlichen Jugend einzuführen. Vorweg gesagt, das Prinzip der Uebertragung turnerischer Grundlagen auf die Ausübung irgend eines Sportzweiges hat sich nicht als glücklich erwiesen. Was im Turnen gut und bewährt ist, zeigt im Sport oft zweifelhafte Wirkung, und in der ersten Zeit werden Fehlschläge nicht ausbleiben. Die Sorge um die sachkundige Instruktion steht obenan. Den Luxus eines bezahlten Trainers werden sich nur die wenigsten Vereine gestatten können. Ueberhaupt wird man bald zu der Einsicht gelangen, daß ein halbwegs sportgerechter Betrieb viel Qeld kostet, mehr Geld, als je ein guter Turnbetrieb. Das liegt zum Teil daran, daß Sport nicht nur erzieherische, sondern auch repräsentative Körperkultur ist. Da ist es ratsam, die jungen Sportsleute, selbstverständlich unter zuverlässiger Leitung, eine Weile sich selbst zu überlassen, bis sie ihre Eignung erprobt haben und wissen, was sie wollen. Die Vereinsleitung soll ihnen nicht zuviel hineinreden und nur von Zeit zu Zeit feststellen, ob die Art der sportlichen Tätigkeit das allgemeine Vereinsinteresse nicht gefährdet. Die Selbständigkeit einer Sportabteilung in reinen Sportfragen muß gewährleistet sein. Das Hervortreten nach außen bedingt eine weit straffere, persönlichere Organisation der Mannschaften. Unter Umständen wird es geboten sein, das demokratische Prinzip hinter die repräsentative Verpflichtung zurückzustellen. Große Bedeutung für uns .als Erziehungsorganisation haben alle Mannschaftskämpfe. Daher sollten wir das populäre Fußballspiel überall, wo angängig, betreiben. In großzügiger Weise lehrt auch der Stafettenlauf den Wert der Unterordnung und Organisation; er fordert restlose Hingabe des ■ Einzelnen an die Qesamtheit. Im Gegensatz hierzu verlangt das Ansehen der jüdischen Sache, daß Einzelkonkurrenzen erst dann bestritten werden, wenn die individuelle sportliche Ausbildung vorgeschritten ist. Das gute Verhältnis zu den Turnabteilungen ist dadurch gesichert, daß Turn- und Sportbetrieb durch Personenaustausch aufeinander angewiesen sind und sich auf vielen Wegen begegnen. Ein großer Teil der männlichen Jugend wird stets gesunden sportlichen Ehrgeiz besitzen und ihn befriedigen wollen, während den Sportsmann die kalte Jahreszeit in die Turnhalle treibt. Viele Uebungen sind beiden Kulturen gleich; es sei nur auf die Lauf-, Sprung- und Wurfübungen hingewiesen. Der turnerische Spielbetrieb ist fast im vollen Umfange von den Sportabteilungen übernommen worden. Unterscheidend in allen Zweigen ist nur die sportliche Auffassung. Für die Erziehung zu einem gesunden Judentum erscheint das Turnen wertvoller und besser geeignet als der. Sport, aus all den Gründen, die dem Turnen als nationalem Erziehungsmittel schlechthin eigen sind. Aber der Sport entspricht der jüdischen Eigenart mehr; die größere Qeistesgewandtneit, schnellere Auffassung und Fähigkeit; starker Willensanspannung sind Momente, die den Juden für sportliche Erfolge begünstigen. Wenn es uns »Clingen würde, die Wesensart des Sports für unsere nationalen Zwecke umzuwerten, so müßten wir ihn sogar vorziehen. Hierin kommt uns die isolierte Stellung der Juden zustatten. Jeder sportlich auftretende Jude wird von den Andern als Jude gewertet und gilt als Repräsentant seiner Volksgemeinschaft. Um wieviel mehr ist das bei einer Mannschaft der Fall, die offen als Jüdische auftritt! Dieses VerantwortlichkeitsmomeBt ist von hervorragender erzieherischer Bedeutung. Bei richtiger Betonung kann es in vielen Punkten <ien turnerischen Faktor ersetzen. Wie das Turnen, verlangen besonders die manaschaftsspiele Disziplin und Fügung des önaferwlllens. Gegen die Oerahr, den Oberkörper durch Kunstturnen übermäßig zu entwickeln, bildet der