Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 5 (5.1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 89 eine Kritik während der Vorturnerstunde selbst unstatthait ist. Was nun diese Vorturnerstunde ganz besonders vor den bisherigen auszeichnen wird, das ist ein kurzes Referat über positive Arbeit für die Einheitlichkeit der Turnsprache innerhalb der Jüdischen Turnerschaft, in Verbindung mit einem kleinen Exposd über die hebräische Kommandosprache, die bereits greifbare Formen angenommen hat, über ihre Entwicklung und ihre Einführung in unsere Bewegung. Zum Schluß werden die Vorturner durch Vorführung einer Riege unter hebräischem Kommando instand gesetzt werden, sich selbst ein Urteil über die Zweckmäßigkeit und Schönheit der neuen Kommandosprache zu bilden. Ich bin fest überzeugt, daß bei dem großen Wert, den diese VorturHerstunde in technischer Beziehung hat, alle Vereine uns durch energische Mitarbeit unterstützen und alle Kraft an eine zahlreiche und gut vorbereitete Beteiligung setzen werden. Nationaler Sport. Von Dr. Fritz Löhner-Wien. Daß sportliche Betätigung, Ausbildung körperlicher Schönheit und Kraft hohe Kulturwerte birgt, daß sie wertvoller für die nationale Regeneration ist, als manche Vertiefung von Ideen und Erweiterung von.Horizonten; daß ein gesundes Denken den gesunden Leib voraussetzt: das sind Binsenwahrheiten, deren Begründung Qeschwätzigkeit wäre. Diffiziler ist die Frage des nationalen Sportes. Körperliche Höchstleistungen sind nicht an Grenzen und Sprachen gebunden. Die Ausübungsformen des Sportes sind international geworden und die Rekorde unterliegen dem Maßstab der ganzen Welt. Es ist sogar gerade auf diesem Qebiete eine Art Kosmopolitismus entstanden, der die sonstigen Gegensätzlichkeiten wohltuend überbrückt. Diese Internationalität teilt der Sport mutatis mutandis mit der Kunst und mit der Wissenschaft. Wenn die Hochgedanken Goethes oder Carlyles, die Großtaten Angelos und Rodins der Menschheit gehören und nicht nur ihrem Volk, wenn die Lehren Kants und die Schöpfung Stephensons Gemeingut aller Welt sind und sein sollen, so dürfen die Regeln des römischen Ringkampfes und die Grazie des römischen Diskus-Wurfes jedes Volkes Eigen werden. Doch die W u r z e 1 n, aus denen die Körperkultur (denn nichts anderes ist in seinem Endzwecke der Sport, und alle Betätigungen, die von diesem Ziele abweichen, sind snobistische oder parasitäre Auswüchse) ihre Kräfte sieht,, liegen im Volkstum. Wie das Klima und die Artung der Heimat, die Tradition und das Seelenleben einer Nation ihre künstlerischen Aeußerungen und ihre wissenschaftliche Richtungslinie beeinflussen, so wird auch das nationale Imponderabile stets die körperlichen Leistungen anregen und differenzieren. Die Berge Norwegens schufen den Wintersport, die nackte Brutalität des Erwerbslebens bringt Amerikas Boxerkönige hervor und die rassige Heftigkeit erzieht den romanischen Fechter. Neben diesen genetischen Nationalismen läuft der nationale Ehrgeiz. Wir haben bei den olympischen Spielen mit neiderfüllter Bewunde-