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Jüdische Turnzeitung · 1912-04-01 · 4 (4.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
4 (4.1912)
Date
1912-04-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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72 No. 4 slrebungen der Deutschen Turnerschaft Welche Gemeinschaftsideale aber kann es für uns Juden geben, wenn wir von Turnidealen sprechen? Kann es sich dabei um religiöse Ideale handeln? Daß es religiöse Turnideale nicht gibt, können wir schon daraus sehen, daß keine bekannte Religion das Turnen zur Pflicht macht. Daß speziell bei der jüdischen Religion gar nicht von Turnidealen die Rede sein kann, ist ebenfalls bekannt, und hat auch seinen Ausdruck darin gefunden, daß aus einem „Kartell deutscher Turner jüdischen Olaubens" im Handumdrehen schon ein „Turnkartell deutscher Juden" geworden ist. Auch unsere Gegner innerhalb der jüdischen Turnbewegung mußten also darauf verzichten, die Religion als einigendes Band für jüdische Turner anzusehen. Es kann eben nur national-jüdische Turnideale geben: Hebung der Körperkultur, des Selbstbewußtseins und der Selbstzucht, des Gemeinschaftsgefühls und der Geselligkeit — alles das im Dienste der Verjüngung und Veredelung des eigenen Volkes —, das sind die Ideale, die im Bereiche unserer Bestrebungen gepflegt werden. Die Behauptung, die Jüdische Türnerschaft sei ein Boden zionistischer Agitation, ist als Lüge zurückzuweisen. Einmal hat der Zionismus nicht nötig, in die Turnvereine hineinzugehen, wenn er Agitation treiben wolle, und dann ist es der Unterschied des Wesens: nationaljüdisch und zionistisch. Das eine sei eine Sache physischer Nationalkultur, das andere eine politisch-soziale Betätigung. Sollte selbst einmal der Zionismus sein Ziel erreicht haben, so hören die Bestrebungen der Jüdischen Turnerschaft ebensowenig auf, gegenständlich zu sein, wie es für die der Deutschen Turnerschaft nach 1870 und für die Deutschen im Ausland der Fall gewesen ist. Darum aber auch, eben weil unsere nationaljUdischen Turnideale Kulturideale sind, haben wir allen Anlaß zur Freude, wenn auch außerhalb unserer Reihen sich Juden turnend zusammenfinden. Den Kampf, den wir gegen alle Duckmäuserei dabei führen müssen, haben wir nicht zu scheuen, schon nähern sich die andern unseren Turnidealen, denen auch der engilltige Sieg beschert sein wird. Reicher Beifall der in stattlicher Zahl anwesenden, mehr oder weniger aktiven Turnerschar lohnte die Ausführungen des Referenten* In zwangloser Geselligkeit blieb man dann noch bis nach Mitternacht bei gesanglichen und anderen Darbietungen vereint. Stettin. J. T.V. Am 29. Februar fand unser diesjähriges Stiftungsfest statt. Vom Vorstand war schon lange vorher alles aufs sorgfältigste vorbereitet worden, so daß das Fest über Erwarten gut verlief. Es wurde eröffnet durch das gemeinsam gesungene Turnerlied: „Wohlan, laßt das Sinnen und Sorgen!" Hieran schlössen sich Vorführungen der von unseren besten Turnern gestellten Reckriege; die Riege leistete Gutes und fand den ungeteilten Beifall der Anwesenden. Dann hielt Dr. Baer die Festrede. Er wies auf den Nutzen des Turnens für die jüdische Jugend hin, verurteilte scharf das Verhalten eines großen Teiles der Juden, die sich für zu fein halfen, um Veranstaltungen jüdischer Turnvereine zu besuchen, und schloß mit der Aufforderung, eifrig zu turnen. Es folgte nun die Aufführung des von Herrn Dr. Baer verfaßten Festspiels „Hedad, wir turnen noch", das in meisterhafter Weise die Arbeit des Turnvereins zeigte und auf das Leben ir. der jüdischen Gemeinde Stettins gemünzt war. Rezitationen, Gesänge etc. wechselten in harmonischer Weise ab. Zum Schluß wurde eine Oedipusparodie aufgeführt, die noch heute das Tagesgespräch Stettins bildet. Dann trat der Tanz in seine Rechte, und ihm wurde, nur unterbrochen durch Tombola und Kaffeetafel, eifrig gehuldigt. Da die Einnahme unseren Erwartungen entsprach und auch einige neue Mitglieder gewonnen wurden, sind wir mit unserem Feste vollauf zufrieden. — Am 4. März fand eine

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