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Jüdische Turnzeitung · 1912-04-01 · 4 (4.1912) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
4 (4.1912)
Date
1912-04-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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No. 4 71 Krakau. J. T. V. Am 25. Februar haben wir die Inauguration des neuen Turnbodens gefeiert. Zu dieser Feier, welcher ein Schauturnen folgte, wurden unsere Gönner, die Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde, die städtischen Behörden und viele andere Korporationen geladen. Unter den zahlreichen Gästen waren zu sehen, unser verehrter Rabbiner Dr. O. Thon, die Jüdische Kultusgemeinde in corpore mit dem Präsidenten Dr. Tilles an der Spitze, Landtagsabgeordneter Dr. lgn. Landau, mehrere Stadtverordnete, Obmann d. zion. Lokalk. Dr. S. Wahrhaftig, Präses der jiid. Schulen Salomon Leser, das Zionistische westgalizische Distriktskomitee, der Direktor der „Credit-Union", Advokat Dr. L. Ader und viele andere Vertreter sportlicher und nicht sportlicher Vereine, sowie Berichterstatter. Der Obmann begrüßte die erschienenen Gäste und schilderte den Lebenssang des Vereins bis zur Erlangung dieses Turnsaales. Er spendete Worte des Dankes der Jüdischen Kultusgemeinde und besonders deren Präsidenten Dr. Tilles, der uns zur Erreichung dieses Saales in besonderer Weise verholfen hat. Sodann ergriff der Präsident Dr. Tilles das Wort. Er hob die Bedeutung des Turnens für die Juden hervor. Seinen längeren, zündenden Ausführungen folgte ein stürmischer Applaus. Das erste Mal vernahmen wir vom Munde eines Vertreters einer assimilantischen Gemeinde solche Worte, die uns in wahre Freude versetzten und neue Lust zur Arbeit geben. Diese Herren, de uns stets unterschätzten und uns Idealisten für Utopisten hielten, mußten jetzt unsere positive Arbeit würdigen. Jetzt zeigten wir, was wir in Gymnastik leisten. Das Schauturnen wurde mit schwedischer Gymnastik begonnen. Die Herren mit Stäben und die Damen mit Keulen führten mit größter Pünktlichkeit drei Figuren aus. Diesen Uebungen folgte Geräteturnen der Damen an Pferd und Barren, der Herren an Barren und Reck. Durch unsere Leistungen haben wir uns ein gutes Ansehen verschafft. Die polnische und jüdische Tagespresse in Krokau hat uns ganze Spalten gewidmet. Ein Kommers schloß detr Abend. Hierbei kamen unsere guten Launen zum Ausbruch, der Verlauf war ein!>ehr heiterer, offizielle und nichtoffizielle Reden wurden gewechselt. Unser Sportklub „Makkabi" gratulierte uns in herzlicher Weise in einem Toaste, dem unser Sekretär Rosenzweig ebenso herzlich antwortete. Zahlreiche Gratulatioiistelegrammc und -schreiben sind uns von unseren Brudervereinen, wie z. B. „Dror"-Lemberg, „Bethar"-TarnopoI u. a. zugekommen. Dieser schöne Abend wird uns umsomehr beim Willen zur Arbeit erhalten. Unser Verein wächst von Tag zu Tag. Mit Enthusiasmus geben sich unsere Mitglieder der Sache hin. Die I. Kinderabteilung ist bereits vollzählig, so daß wir einen zweiten Kurses gründen müssen. Auch dieser verzeichnet schon über 30 Kinder. Bei der Führung der Kinder-Abteilung sind uns die Turjischwestern Frl. 0. Lemberger, Infeld und Hochwald behilflich. Unsere Sport-Abteilung „Bar Kochba" begann am 1. März ihre Saison. Zwei kräftige Fußballmannschaften versprechen uns schöne Erfolge. Wir sind fleißig auf der Suche nach einem geeigneten Sportplatz, wo wir Leichtathletik und andere sportliche Zweige betreiben werden. B. F. Posen. J.T.V. Am 13. März veranstalteten wir nach dem Turnen der Männerriege ein gemütliches Beisammensein, bei dem Herr Dr. Jeremias über „Jüdische Turnideale" referierte. Er wies auf den Wandel hin, den der Sinn des Turnens, nachdem überhaupt einmal das Turnen, über den individuellen Genuß hinaus, zum Gemeinschaftsideal erhoben war, in den Jahrhunderten erfahren hatte. Aus dem Schönheitsideal, dem bei den Oriechen das Turnen zu dienen hatte, sehen wir unter Jahn das Kraftideal für die Gemeinschaft erstehen. Die selbstbeschränkte Freiheit, die Disziplin, die Gleichheit und Brüderlichkeit werden weitere Kennzeichen für die Be-

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