Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 4 (4.1912)
- Date
- 1912-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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62 No.'4 [TroLMJVlandelsta^^ Aus Kiew kündet uns eine Trauerbotschaft den Tod von Professor M. Mandelstamm an. Mit dem Heimgegangenen tritt eine markante Persönlichkeit vom Schauplatz national-jüdischer Tätigkeit. Mit Genugtuung erinnern wir uns der Jahre, da Mandelstamm mit dem Klang seines Namens für unsere Turnbewegung eintrat. Dr. Mandelstamm war eine Zierde des Judentums im allgemeinen und der in Rußland lebenden Juden im besonderen. Er war ein Fürst im Reiche des Wissens, ein Mann von vornehmer Denkart, von zuverlässigem Charakter. Sein Hinscheiden ist ein schmerzliches Unglück für die vielen Tausende, die den Reiz seiner Persönlichkeit begriffen und geschätzt haben; es ist auch ein Unglück für die jüdische Gesamtheit. Mandelstamm hatte sich mit eigener Kraft, durch unermüdlichen Fleiß, durch eine nur äußerst selten anzutreffende Selbstlosigkeit zu der angesehenen Stellung emporgerungen, in die er nach und nach einrückte. Er war besonders in den letzten Jahrzehnten seines reichen Lebens eine der populärsten Persönlichkeiten Rußlands. Er gehörte zu den beneidenswerten Menschen, die keine öegner haben. Vor der Größe dieses Charakters mußte auch der unerbittliche Judenhaß einer antisemitisch so verseuchten Gegend, wie es das Westr gebiet Rußlands ist, verstummen. Für die Genesung Mandelstamms wurden nicht nur in Synagogen, sondern auch in christlichen Kirchen Bittgottesdienste veranstaltet. Der Verewigte, den wir mit Recht als einen der geistigen Schöpfer der Jüdischen Turnerschaft ansprechen dürfen, hat sich in unseren Herzen ein dauerndes Denkmal gestiftet. Wir werden ihm für alle Zeiten ein treues, dankbares und ehrendes Andenken bewahren. Judentum und Emanzipation. Dr. Artur Loewenhefz, Posen. Die offiziellen Vertreter des Judentums in Preußen haben die hundertjährige Wiederkehr der Tage der Emanzipation festlich begangen, anschließend an das Judenedikt vom 11. März 1812. Man könnte nun meinen, passender wäre es, wenn eine solche Feier sich an das „Judengesetz" von 1842 halten würde. Was 1812 gegeben wurde, war nur die Gabe der Monarchie, die wertlos wurde, als nach den Freiheitskriegen die Deutschtümelei jeden Gedanken an eine Anerkennung der Juden durch das Volk verscheuchte, auch ohne daß für die außerpreußischen Länder eine irrtümliche Formulierung der Wiener Kongreßakte die Juden der Willkür der deutschen Kleinstaaten überließ. Die Vollendung der verfassungsmäßigen Emanzipation geschah für Preußen erst 1850, für Deutschland erst durch die Uebernahme der betreffenden Bestimmungen in die Verfassung des Norddeutschen Bundes, 1869, und des Deutschen Reiches, für das außerdeutsche Judentum heute noch nicht Uberall. Dieses ist einzelnen uberschwänglichen Verherrlichungen zunächst entgegenzuhalten; dann aber ist für uns viel wichtiger die Frage, ob wir überhaupt Grund haben, der Emanzipation mit ganz ungemischter