Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 4 (4.1912)
- Date
- 1912-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3üdifdie Cumzeifung« ITlonaUHirlK Kr die körperliche Bebung der Süden Herausgegeben von der SOdiHitn Curnerftfiaft. XIILgahrg. llo, 4 _HprH ^12 Nachdruck der nachfolgenden Origlualaufrttze ist nur mit gtHUir Quellenangabe gestattet. Pessach. . . . und in Eilfertigkeit zogen sie aus Aegypten, dem Lande der Sklaverei. Durch eine lange, beschwerliche Wiistenwanderuug zum Laude der Freiheit . . . Alljährlich versammeln sich Tausende jüdischer Familien um den Sedertisch, und der Vater erzählt es dem lauschenden Kinde: Aus der Sklaverei zum Lande der Freiheit ... Und wir lesen es wieder und wieder, das seltsame Buch mit den naiven . Erzählungen und den kindlichen. Bildern, das Buch, in dem jede Zeile Freiheit atmet, das uns erzählt von dem göttlichen Freiheitsdrang eines ganzen Volkes. Unseres Volkes. Es liegt eine eigene Weihe über dem Pessachfeste: Zur selben Stunde desselben Tages feiern überall unsere zerstreuten Stammesbrüder in gleicher althergebrachter Art das gleiche Fest. Der „moderne" Jude des Westens, der russische Jude mit Peies und Kattan, der jüdische Emigrant Amerikas, sie alle gedenken heute gemeinsamer Vergangenheit. Und alle Herzen durchflutet ein stolzes Sehnen: Aus der Sklaverei zum Lande der Freiheit. Man mag dies „Land der Freiheit" symbolisch oder konkret begreifen. Wie verschieden wir es auch verstehen, vorläufig ist unser Weg derselbe. Man hat uns Juden durch Jahrhunderte geknechtet, man schilt uns noch heute minderwertig. Und die Gewöhnung an Schmach und Verachtung hat uns zu Sklavennaturen erniedrigt. Die Psychologie des Qedemfltigten, im günstigsten Falle des Begnadeten ist die unsere geworden. In dieser historisch-psychologischen Erkenntnis liegt die Wurzel unserer Befreiung. Zunächst unserer inneren. Das ewige Betteln um die völlige Emanzipation, die unseren Vätern „das Land der Freiheit" schien, hat entscheidend gewirkt auf ihr Handeln und Lassen, auf die ganze Qestaltung des Judentums im verflossenen Jahrhundert. Das heutige „liberale Judentum", das sich religiös nennt, aber nur politisch begriffen werden kann, ist nichts als ein Produkt dieser Zweckmäßigkeltspolitik, die dem Moloch „Oleichberechtigung" nur allzu willig opferte. Wir Jungen haben uns freigemacht von diesem Götzendienst. Wir haben uns durchgerungen zu der Erkenntnis, da(i die Judenheit der äußeren Freiheit nicht wert ist, solange sie die innere nicht besitzt. Wir wollen in der Gestaltung des Judentums wieder historisch anknüpfen an eine wfirdige Vergangenheit, wollen es nicht mehr dulden, dal!