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Jüdische Turnzeitung · 1903-12-01 · 12 (12.1903) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
12 (12.1903)
Date
1903-12-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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No. 12 dispensiert sind. Was versteht denn der Arzt von der Physiologie der Muskelkraft, wer kann ein hypertrophisches von einem kranken Herzen unterscheiden? Wir haben zwar schon Spezialärzte für alles, es fehlt aber immer noch der Spezialarzt für Sport. Scheint es, als ob die Betätigung des oft missbrauchten: „Mens sana in corpore sano" der Creme der Gesellschaft nicht ~o leicht fiele, als ob sie ihre Energie immer nur einem Herrn, dem Vergnügen, der Wissenschaft oder dem Körper widmen könnte, so ist andererseits eine um so erfreulichere Erscheinung festzustellen: die Anteilnahme der kleinen Kaufmann- und Beamtenschaft am Sport. Diese jungen Leute verschmähen es nicht, nach langstündiger Bureauarbeit zum Turngerät, zur Rennbahn, zum Ruderboot zu eilen und dort in mehr als militärischer Zucht sich auf den Tag des edlen Wettstreites vorzubereiten. Welche Anspannung nicht nur des Körpers, sondern auch des Geistes, der Willenskraft, der Beobachtung, Schulung, der Männlichkeit und selbständigen Handelns! In hartem Training, das eine längere Zeit der Entsagung bedingt, bereitet sich der Sportsmann auf die kommenden Kämpfe vor, in denen die Leistungsfähigkeit seines Körpers erprobt werden soll. Währenddessen saust der Schläger dröhnend auf den akademischen Kneiptisch; auch im zwanzigsten Jahrhundert schaffen Alkaloid und Alkohol den bebrillten Gesichtern eingebildeten Mannesstolz unter Absingen turnerisch-freiheitlicher Lieder. (Welches Deutsch?! Brr! D. Red.) Gegen Mitternacht erreicht der Tatendrang seine Höhe, dann >ffhen andere Lokale ihre Pforten zur Imprägnierung der Jugend mit schärferem Gifte. Doch verzweifeln wir nicht an der Gesundung unserer Anschauungen durch den Sport, durch Rückkehr zur natürlichen Lebensweise und Anlehnung an die Natur. In führenden Kreisen hat man nie begreifen wollen, was in tieferen Schichten der Bevölkerung mit elementarer Gewalt sich durchzuringen sucht — so wird auch hier die Zukunft bei der Masse liegen, im Kerne der Nation, und nicht in den zwar zarten, aber absterbenden Spitzen ihres Wachstums.

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