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Jüdische Turnzeitung · 1903-12-01 · 12 (12.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
12 (12.1903)
Date
1903-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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214 JSo. 12 u. s, w. Bei dem nationalen Charakter des Vereinsturnens dagegen ist eine Sonderung in nationale Turnvereine wohl am Platze. Darum sind z. B. die jüdischen Turnvereine in Deutschland ebenso berechtigt, wie die deutschen Turnvereine in Amerika. Natürlich verlieren derartige Vereine ihre Berechtigung, wenn sie gegen die Gesetze der Staaten, in denen sie bestehen, Verstössen, wenn z. B. hiesige polnische Turnvereine deutschfeindliche Tendenzen aufweisen. Innerhalb der Turnvereine findet eine Sonderung nach Altersklassen statt, so dass wir Altersriegen, Männer-, Jugend-, Lehrlings¬ und Schülerabteilungen unterscheiden. Neben den Männerturnvereinen haben wir jetzt auch eine ansehnliche Zahl von Frauen- und Mädchenabteilungen, die teilweise den Männerturnvereinen angegliedert sind oder selbständig bestehen. Als erster Mädchenturnverein sei die 1864 gegründete „Thusnelda" erwähnt, die unter Leitung der Gemahlin Prof. Angerstein's stand. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen dem Vereins- und Schulturnen besteht in der Turnleitung. Während im Schulturnen die Leitung in den Händen von angestellten Turnlehrern liegt, überwachen in den Vereinen meist gewählte Turnwarte den Turnbetrieb. Das Militärturnen soll zur Wehrhaftmachung für den Krieg dienen und eine Schule der straffen Zucht sein. Dabei werden Übungen und Geräte vorgezogen, die zur Erreichung dieses Ziels führen. So nehmen Übungen am Querbaum, Sprungkasten, Pferd, Schnurspringgestell, Eskaladiergerüst, sowie ^Marsch-, Frei- und Ordnungsübungen einen breiten Raum ein. Die Heilgymnastik, deren Zweck das Heilen von Krankheiten durch Gymnastik ist, sollte den Ärzten überlassen werden. Gerade in den letzten Jahren hat sie sich zu einem wichtigen Zweige der Therapie herausgebildet, die wohl niemand mehr missen möchte. Da sie jedoch in ihrer Anwendung eingehende anatomische, physiologische und turnerische Kenntnisse voraussetzt, so kann sie in unwissender Hand mehr Schaden als Nutzen stiften. Die Übungen müssen dem jeweiligen Zweck entsprechend durchaus individuell und bestimmt dosiert sein. Nun noch wenige Worte über das Turnen der Niehtvollsinnigen. Den Blinden wird ihr Standort in der Halle durch auf den Boden aufgeschraubte Blechscheiben angegeben, die sie durch das Gefühl leicht finden, wenn sie sie bei der Übung verloren haben. Hier kommen fast nur Freiübungen in Betracht.

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