Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 12 (12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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210 No. 12 Das Band, das wir in Basel um die jüdischen Turnvereine schlangen, umfasst nicht alle, und die es verknüpft, sind nicht samt und sonders blühende, starke, selbständige Vereinigungen. Manche von ihnen, auch von solchen ausserhalb des Verbandes, stehen auf schwachen Füssen. Ihre Existenz hängt vielfach von der eines oder weniger Genossen ab, die sich unermüdlich quälen, unsere Anschauungen der grossen Masse in Fleisch und Blut überzuführen. Ihr Kampf geht gegen mehrere Fronten. Im Innern des Vereins: ungleiche Elemente, den einen fehlt der turnerische, den anderen der jüdische Geist. Welche Aufgabe, diese beiden zu einem organischen Ganzen zu verschmelzen! Nach Aussen: jüdische Männer und jüdische Organisationen, denen häufig die für jeden Denkenden offensichtliche grosse moralische Macht des Gedankens einer körperlichen Wiedergeburt unseres Stammes ein Rätsel bleibt; ihnen gelten jüdische Turnvereine als überflüssige Nachäffungen oder Spielereien, ihre Gründer und Leiter als Phantasten, überempfindliche Seelen, Dummköpfe oder räudige Schafe!! Allenthalben das gleiche Bild. Aber während den heute noch unselbständigen Vereinen dieser Wulst von Verkehrtheiten und Vorurteilen den Lebensatem entzieht, haben doch schon an verschiedenen Orten jüdische Turnvereine ihre Unabhängigkeit nach Aussen, ihre Stabilität im Innern durchsetzen können, nachdem sie zu Anfang eine ähnliche Periode wie ihre, man könnte sagen, noch werdenden Brudervereine durchgemacht hatten. Und das eben ist der grosse Fortschritt, der unseren Zweifeln, unseren Befürchtungen ihre Berechtigung raubt. Denn wir sehen, wie trotz allen oft so kleinlichen und widerwärtigen Manipulationen unserer Gegner, trotz Ungunst der tatsächlichen Verhältnisse, unsere Idee sich in ihrer strotzenden Lebenskraft aus all dem umgebenden Schutt und Schmutz des Hasses und Spottes, der Verachtung und der Gleichgiltigkeit durch- und emporzuringen vermag und Organisationen hervorbringt, die im jüdischen und nichtjüdischen Lager sich gleiches Ansehen zu schaffen verstehen. Die Existenz dieser wenigen, aber mit einer Fülle von Lebensmut und Energie begabten Vereine hat der jüdischen Turnbewegung statt ihres bisher schwankenden Untergrundes eine feste Basis geschaffen, ohne welche der Baseler Verband eine Marktschreierei, eine nur auf dem Papier stehende Institution wäre. Diese Vereine bilden das Herz des Verbandes und senden einen weitverzweigten, segenspendenden und reichlichen Strom jüdischen Turnergeistes durch den ganzen jüdischen Volksorganismus.