Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 11 (11.1903)
- Date
- 1903-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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202 No. 11 bestand, in Stettin einen Turnverein zu gründen, werden sie jetzt vielleicht um so erfreuter sein, etwas von der Ausführung dieser Absicht bereits in der vorliegenden Nummer zu hören. Es ist mir nach schwerer Mühe gelungen, hier innerhalb 3 Wochen einen national-jüdischen Verein mit einem aktiven Mitgliederbestande von 20 Turnern zu konstituieren, der als grundlegende Bestimmung den § 1 aus dem Statut des Vereins Bar Kochba angenommen und sich, alsbald nach seiner Gründung der jüdischen Turnerschaft offiziell angeschlossen hat. Es wäre mir dies in unserer, jungjüdischen Bestrebungen äusserst schwer zugänglichen Stadt kaum gelungen, hätte nicht unser Turnverband, auf den wir mit Recht stolz sein können, mir mit Rat und Tat helfend zur Seite gestanden, unter andern auch einige äusserst tüchtige Redner für die konstituierende Versammlung zur Verfügung gestellt. Ich handle im Namen des jungen Vereins, wenn ich an dieser Stelle noch einmal sowohl der „jüdischen Turnerschaft" als auch den Vereinen in Berlin und Frankfurt, von denen wir viele Anregungen erhalten haben, unsern herzlichsten Dank ausspreche. Weitere Mitteilungen sollen unsere Turnbrüder bald erhalten, sie werden vielleicht um so interessanter sein, als unsre Gegnerschaft hier sich äusserst aktiv verhält, und wir schwere Kämpfe haben werden. Hat man sich doch von jüdischer Seite aus nicht gescheut und bereits in der kurzen Zeit unseres Bestehens versucht, unser Liederbuch bei der Polizei zu denunzieren. Um diesen Herren zu zeigen, dass das „totgeborene Kind" sehr vergnügt lebt, werden wir am Busstag unsre erste Turnfahrt (mit Gästen) unternehmen. Unser Vorstand setzt sich folgendermassen zusammen: Dr. med. Goetze, Luisenstr. 3, I. Vorsitzender; W. Fonfe', stellvertretender Vorsitzender; Jakobsohn, Turnwart; A. Levy, stud. rer. techn., Schriftführer, Barnimstr. 77; Walther, Kassenführer. Auf dass der „jüdische Turnverein Stettin" bald ein tatkräftiges Glied der jüdischen Turnerschaft sein möge, darauf ein kräftiges „Hedad"! A. L. Wien. Der Erste Wiener jüdische Turnverein versendet nachfolgendes Zirkular: Euer Hochwohlgeboren! Die Wichtigkeit körperlicher Übungen im allgemeinen und für die Juden im besonderen bedarf unter den heutigen Verhältnissen wohl keiner weiteren Begründung. Wo aber sollen wir Juden Leibesübungen pflegen? Der 15. Turnkreis (Österreich) der deutschen Turnerschaft hat sich bereits seit geraumer Zeit „judenrein" erklart. Sich demselben, wie es leider immer noch von jüdischer Seite versucht wird, trotzdem anzubiedern und — wo es geht — aufzudrängen, halten wir mit unseren Begriffen von persönlicher Ehre nicht für vereinbar. Darum war die Gründung eines jüdischen Turnvereines eine Notwendigkeit. Um aber auch Unbemittelten die Pflege körperlicher Übungen zu ermöglichen, müssen wir die Beiträge für Studenten, Handelsangestellte