Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 9 (9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 175 nehmen in der gleichen Richtung, nur dass wir uns davon einen ungleich grösseren und weittragenderen Erfolg versprechen. Wir wollen hier turnen vor dem grössten jüdischen Forum der Welt, um Ihnen, die hier von den verschiedensten Punkten der Erde zusammengekommen sind, vor Augen zu führen, was das Turnen aus den Menschen macht. Wir haben unser Bestes an diesen Tag gesetzt. An Ihnen liegt es nunmehr, das, was Sie hier gesehen und erfahren haben, hinauszutragen in alle Länder. Dieser Moment ist ein grosser. Zum ersten Male in der Welt findet ein derartiges Schauturnen jüdischer Turner aus verschiedenen Ländern vor einer derartigen Zuschauerschar statt, wie sie der Zionisten-Kongress bietet. Möge dieses Schauturnen daher nicht eine Augenblicksdarstellung in Ihren Augen sein, mögen Sie dauernd für Ihr Leben die Erinnerung an diesen Anblick mit sich fortnehmen, und möge die Begeisterung Sie erfassen, mitzuwirken und mitzuarbeiten an dem Werke, dem wir uns geweiht, zum Wohle und zum Segen unseres herrlichen zukunftsreichen jüdischen Stammes. Nunmehr folgte das Turnen an den Geräten, nämlich am Reck unter der vortrefflichen Leitung des Kölner Turnwarts Herrn Gärtner, am Pferd unter der ebenso vortrefflichen des Wiener cand. ing. Emmerich Löwy, am Barren unter Soldins(-Berlin) bewährter Führung und am Hochspringel unter dem bekannten Freiburger Turner Kikoler. Hierbei wurde vor allem auf Exaktheit der Ausführung gesehen. Die Übungen fanden reichlichen und u. E, wohlverdienten Beifall. Im Anschlus daran turnte die Musterriege des Bar Kochba, ausgezeichnet geführt von Moritz Teitz, mit 14 Mann am Barren. Die an sich erfreuliche Zahl der Teilnehmer hatte leider den Nachteil, dass gerade diese Darbietung, die freilich allseitig als die beste Gesamtleistung angesehen wurde und die die Zuschauer nicht ermüdete, sich etwas in die Länge zog und damit die für das Kürturnen und Spielen übrig bleibende Zeit zum Bedauern der Nichtberliner sehr eng begrenzte. Im Küren erst kamen so recht die wahren Leistungen der Einzelnen, die im Riegenturnen doch etwas verschwanden, zur vollen Geltung. Erwähnung verdienen, ohne damit die Leistungen der Nichterwähnten als geringwertig hinzustellen, vor allem Sommerfeld-Berlin, Gärtner- und Schmuckler-Köln, Stappier-Mährisch-Ostrau, Löwy-Wien, Soldin- Berlin, Moritz Teitz-Berlin, Perlitz- und Kikoler-Freiburg, Traub- Mannheim, Max Cohn-Berlin, sowie ein Bielitzer Turner, dessen Name mir entfallen ist. Der Beifall der über ihr Erwarten befriedigten Zuschauer kannte keine Grenze, hielt auch beim „dritten Mann abschlagen" an, als alle die beliebten kleinen Scherze und Abwechslungen in gelungener Weise vorgeführt wurden. Vor dem Ausmarsch hielt der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, von welcher die Einladung zum Schauturnen ausging, Herr Dr. Bodenheimer, eine kernige Ansprache und überreichte, nach einer kurzen Erwiderung des Dr. Tuch, allen Turnern und den um die Turnsache so verdienten Führern