Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 6 (6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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98 No. 6 jeder Jahreszeit, die Freiübungen, das militärische Gerätturnen, welches freilich mit seinen durch die Vorschrift beschränkten Formen weit hinter dem einer freien Entwicklung fähigen Vereinsturnen zurücksteht, und der vielgeschmähte Parademarsch, der eine der wertvollsten Gleichgewichtübungen ist, und dessen fortgesetzter Drill dazu beiträgt, dass - der Mann die sichere Herrschaft über seinen Körper gewinnt. Neben dieser allgemeinen köprerlichen Ausbildung geht andererseits für jede Waffengattung eine spezielle einher, die darauf gerichtet ist, gewisse Bewegungen und Griffe den Mannschaften bis zur automatischen Sicherheit der Ausführung anzugewöhnen, sodass es kaum noch eine Instruktionsblüte zu nennen ist, wenn der Unteroffizier zum Infanteristen sagt: „Dein wichtigster Körgerteil ist dein Gewehr". Bei allen diesen Tätigkeiten soll zwar der Mann nach der Vorschrift individuell behandelt werden, aber abgesehen davon, dass dies in der Praxis kaum zum Ausdruck kommt, auch kaum zum Ausdruck gelangen kann, ist das Ziel die Erreichung möglichster Gleichmässigkeit in der Durchbildung sämtlicher Mannschaften. Beim Turnen fällt die specielle Ausbildung, die der Beruf des Soldaten mit sich bringt, selbstverständlich von vornherein fort, es ist eben auf eine Durchbildung aller Glieder und Muskelgruppen des Körpers und auf die Gewinnung der Fähigkeit, Anstrengungen jeder Art zu überwinden, angelegt. Daher ist in jedem systematischen Turnbetriebe der Wechsel zwischen Geräten, die den Ober- und solchen, die den Unterkörper in Anspruch nehmen, und ausserdem zwischen Kraft-, Dauer- und Geschicklichkeitsübungen durchgeführt. Jeder Turner weiss, wie sehr die Vorbereitungen zu einem Schauturnen, diese häufige Wiederholung bestimmter Übungsgruppen, von der Leitung und von den Teilnehmern als Übel, oft noch nicht einmal als notwendiges, empfunden werden, da dieser Massendrill dem Wesen des Turnens durchaus entgegengesetzt ist. Im Gegensatz zum Militär wird ausserdem neben der gemeinsamen die individuelle Ausbildung gepflegt. Denn wie sehr auch eine Vereinsleitung darauf bedacht sein wird, einen möglichst guten Durchschnitt unter den Mitgliedern zu erzielen und jeden während des Riegenturnens zur Mittätigkeit an allen Geräten auzuhalten, so hat doch der einzelne während des Kürens Zeit und Förderung genug, sich mit Übungsarten und Geräten, die er andern vorzieht, besonders zu beschäftigen. Zusammenfassend können wir also sagen, dass beim Militär die Masse möglichst gleich ausgebildet wird und einzelne