Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 3 (3.1903)
- Date
- 1903-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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50 No. 3 zweihundert Turner und Turnerinnen vorzuführen. Der Gesammteindruck der ganzen Veranstaltung wurde leider dadurch sehr gestört, dass die auf 800 Personen geschätzten Zuschauer wegen des geringen Platzes auf den zwei vorhandenen Gallerien zum grösseren Teile im Turnsaal selber placirt werden mussten und infolge dessen recht oft die Turner behinderten. Das Programm des fast zweistündigen Turnens gestaltete sich im einzelnen folgendermassen : A. Lehrlings-Abteilung (Leitung: Julius Cohn): Einmarsch mit dem Liede: „Von frohem Jugendmute"; Freiübungen mit Hanteln; Gerätturnen, (1. Riege: Reck, 2. Barren, 3. Sturmspringen, 4. Freispringen.); Tauziehen. B. 1. und 2. Frauen-Abteilung (Leitung: Turnlehrerinnen Frl. Fraenkel und Frl. Schoyer) Einmarsch mit dem Liede: „Brüder, lasst den Sang ertönen;" Stabübungen; Gerätturnen: (1. Frauen- Abteilung: 1. Riege: Sturmspringen, 2. Schaukelringe, 3. Barren, 4, Freispringen, 5. Schwebebaum; 2. Frauen-Abteilung: 1. Riege: Schaukelringe, 2. Freispringen). Reigen (1. Frauen-Abteilung). C. 1. Männerabteilung (Leitung: Th. Scholem): Einmarsch mit dem Liede: „Allmählig durch die Herzen dringt"; Freiübungen, Gerätturnen (1. Riege: Pferd, 2. Reck, 3. Sturmspringen, 4. Bock, 5. (Altersriege): Barren; Kürturnen am Reck, Barren und Schaukelringe; Ausmarsch. D. Fechtriege (Leitung Th. Scholem): Hiebfechten: a) Schulfechten b) Contrafechten. Vor dem Geräteturnen der i. Männerabteilung hielt der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. Tuch, eine überaus eindrucksvolle Rede, in der er auf das arbeitsreiche vergangene Jahr hinwies und die Hoffnung aussprach, dass der „Bar Kochba" in diesem Jahre gleiche Fortschritte machen werde. Der Schluss seiner Ansprache sei wörtlich wiedergegeben: „ . . . Drei Ziele sind es, die wir verfolgen: Eine edle Körperpflege, die Erziehung zur Disziplin und die Kräftigung unseres Zusammengehörigkeitsbewusstseins. Könnte nun auch zur Not das eigentliche Turnen, die Gymnastik in nicht-jüdischen Turnvereinen betrieben werden, so können wir die Disziplin, deren wir bedürfen, nur in jüdischen Turnvereinen lernen. Fast als eine unumstössliche Wahrheit galt es bisher in unseren eigenen Reihen: Ein Judb kann nie dem andern freiwilligen Gehorsam leisten. Der jüdische Turnverein hat diese „Wahrheit" lügen gestraft. Ich glaube, Sie alle haben durch das ihnen bisher vorgeführte erkannt, dass bei uns eine strenge und zielbewusste Disziplin herrscht. Von wie unendlichem Segen eine derartige Gewöhnung der Unterwerfung des eigenen Willens! unter einen fremden zwecks Erreichung eines gemeinsamen Zieles für die schweren Kämpfe, die wir Juden in Zukunft zu bestehen haben werden, sein wird, braucht hier nicht ausführlicher erörtert zu werden. Und endlich unser letztes und höchstes Ziel, für welches die andern nur Mittel zum Zweck sind, das ist das jüdische Zusammengehörigkeitsbewusstsein. oder, wie wir es nennen, das jüdische Nationalbewusstsein. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass die Juden aller Orten zusammengehören, dnss sie ein geschlossenes Ganzes bilden, und immermehr von diesem Gefühl der Zusammengehörigkeit sich leiten lassen müssen.