Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 2 (2.1903)
- Date
- 1903-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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28 No. 2 Turnfesten. Der Ausschuss des Berliner Turnrates hat beschlossen, gegen die Teilnahme der Frauenabteilungen am diesjährigen deutschen Turnfest in Nürnberg Protest zu erheben, und der Ausschuss der deutschen Turnerschaft gibt bekannt, dass eine allgemeine Beteiligung der Frauenturnabteilungen unbedingt ausgeschlossen sein müsse. Formelle Begründung findet dieses Dekret darin, dass Frauenabteilungen nicht Mitglieder der deutschen Turnerschaft seien, dass aber ein Recht zur Teilnahme an den von ihr veranstalteten Turnfesten nur ihren Mitgliedern und den von ihrem Ausschuss und vom Festausschuss eingeladenen auswärtigen Vereinen zustehe- Gegen diese Motivierung IBsst sich nichts einwenden, desto mehr aber gegen die prinzipielle Ablehnung der Aufnahmegesuche von Frauenturnvereinen in die Ortsverbände der deutschen Turnerschaft. Erst ganz kürzlich hat der Berliner Turnrat unter Betonung des Prinzips den Beitritt eines Frauenvereins zurückgewiesen. Es wird wohl kein Mensch voraussetzen, dass sich gerade die Blüte der deutschen Intelligenz in den deutschen Turnvereinen verkörpert findet, aber in ihren Ausschüssen sollte man doch etwas weniger Begrenztheit des Horizonts und etwas mehr Einsicht in das Wesen und den Wert der eigenen Kunst vermuten. Man könnte glauben, dass die deutschen Turnerausschüsse — der Leipziger hat sich als eine rühmliche Ausnahme erwiesen, und vielleicht teilt noch mancher andere seinen Standpunkt -- das Turnen, das will sagen, eine rationelle Aus- und Durchbildung des Körpers, für einen Luxus, einen unterhaltenden, durstreizenden Sport und nicht für eine nationale Notwendigkeit halten, ^sonst könnten sie doch nicht wohl die Frauen des Landes, die Mütter der Nation auf dessen spielerische, tändelnde Ausübung beschränken wollen, welche die unausbleibliche Folge seiner Betätigung in abgesperrten, das allgemeine Interesse wenig erregenden Privatkreisen ist. Mindestens so wichtig wie körperliche Tüchtigkeit des männlichen ist diejenige des weiblichen Geschlechtes für ein Volk; stärkt jene die Kraft und Gesundheit der Volksgenossen individuell, so tut diese es generell. Unheilvoll rächt sich die Vernachlässigung der physischen Entwicklung der zukünftigen Mutter einer Nation, und die Überlegenheit der angelsächsischen Rasse in der Beherrschung, unserer Erde wird nicht zufällig zusammenfallen mit der freien Kraftentfaltung der englischen und amerikanischen Mädchen und späteren Mütter, von denen jede neue Generation gesunde Lebenskraft und frischen Wagemut ererbt. Da drüben allerdings gestattet man den Frauen nicht gnädigst, wie etwa bei uns, In verwässerter, abgeblasster Form in damenhafter Weise an Körperübungen und Bewegungsspielen zu nippen, sondern dort betätigen sie sich frisch und kräftig in öffentlichen matches und ringen um den Preis für ihr Dorf oder ihre Stadt in ehrlichem Weltstreit, welcher Anspannung der Nerven und der Energie und Anstrengung der Muskeln bis zur Erschöpfung kostet. Eine zarte Behandlung des Turnens ist eine contradictio in adiecto, denn diese Tätigkeit soll Kraft und Geschicklichkeit steigern; wird sie in zarter Weise geübt, so ist sie nicht imstande, diesen Zweck zu erreichen, und könnte füglich unterbleiben, es sei denn, dass sie nur ein Schaltenbild dessen geben will, was sie zu sein vorgibt, und dessen Wesen gleichsam nur markiert." Man braucht nicht gleich sein Ideal in den von der Verfasserin citir-