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Jüdische Turnzeitung · 1903-02-01 · 2 (2.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
2 (2.1903)
Date
1903-02-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 2 eine recht kleidsame Uniform aus hellbraunem Cord und den obligaten Schlapphut mit der einseitig aufgesteckten Krempe, den ja auch unsere Colonialtruppe in Deutsch-Süd-West-Afrika adoptiert hat, und gerade dieses gab ihnen ein recht martialisches Aussehen. In dieser Truppe nun kam es im Jahre 1897 zu Uneinigkeiten, welche zu dem Resultat führten, dass fast alle Deutschen ihr Valet sagten. — Welche corrupten Zustände in diesem Corps herrschten, wird ein Fall von vielen demonstrieren: Mein Zimmercollcge war im Besitz eines Paars Wasserstiefel, wie sie nur diese Freiwilligen zu tragen pflegten. Auf meine Frage nach dem Ursprung derselben gab er mir, ohne auch nur die geringsten Gewissensbisse zu zeigen, zur Antwort, er hätte ein Paar Stiefel dringend benötigt und sich deshalb in das Freiwilligen-Corps aufnehmen lassen. Darauf habe man ihn mit Uniform und sonstigen Requisiten versehen; er habe alles schön nach Hause gebracht und damit war die Angelegenheit erledigt, denn an den Exerzitien habe er niemals teilgenommen. Er hatte die Stiefel und mit in den Kauf bekam er noch die Uniform. Die deutschen Mitglieder dieses Corps par e^cellence taten sich bald nach ihrem Austritt zusammen und gründeten den deutschen Turnverein „Germania". Turngeräte Hess man aus Deutschland kommen, das Turnlokal war eine Kneipe, mit deren Decke der Kopf manchen Turners oft recht unliebsame Bekanntschaft machte. — Aber wenn auch in rein turnerischer Hinsicht im Verein nicht allzuviel geleistet wurde, so verstand man es doch gleich im Anfang, die Honoratioren der deutschen Bevölkerung Johannesburgs für die Sache zu interessieren, was dem Verein viele passiven Mitglieder und damit den nötigen nervus rerum gerendarum einbrachte. Wie immer da, wo Deutsche im Auslände zusammen sind, so trat auch im Turnverein bald eine Spaltung ein: dem einen passte es nicht, mit Handwerkern zusammenzuturnen und so ergab sich eine zweite Partei von selbst. Dazu machten sich ferner noch antisemitische Strömungen geltend, und so herrschte stets die schönste Uneinigkeit. Dass dabei von einer gedeihlichen Entwicklung und Erstarkung keine Rede sein konnte, ist ohne weiteres klar. Als man mir den Turnwartposten antrug, lehnte ich ihn daher ab. Der Turnwart des Verein war ein Jude, namens Brand, der es noch am besten verstand, diese heterogenen Elemente unter einer Haube zu vereinigen. Im Dezember 1898 gelang es der „Germania", das 1. inter-

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