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Jüdische Turnzeitung · 1902-11-01 · 11 (11.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
11 (11.1902)
Date
1902-11-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 11. 188. Mit seinen Liedern wirft er all sein Leid, all das Dursten nach Glück, all das qualvolle Beben nach Sonne, von sich, um frei aufzujauchzen im Gefühl der Gewissheit: sie werden mein! Und woraus gewinnt er diese Selbsterlösung? Aus dem Traum von der Erlösung seines geliebten Volkes. Sein Pulsschlag ist von dem seines Volkes nicht zu trennen, jeder Dolchstich, der den Leib seines Volkes trifft, geht durch Zlocisti's Herzen. Aber auch jeder Lichtblick,- der über seines Volkes Nachthimmel flimmert, erleuchtet hell Zlocisti's Seele: Seit ich dich, armes Judenweib, geschaut, Dein Auge müde sah vom ew'gen Wachen, Erdröhnts in mir wie Totenglockenlaut: Ich glaub in meiner Seele starb das Lachen. ... Sein Leben besteht, überhaupt nicht ohne sein Volk und ohne seines Volkes Hoffnung: Wenn diese Hoffnung mir vorschwebte, Die wonnetrunken in mir lag, Ich wäre tot--auch wenn ich lebte! Es wär mein erster Sterbetag--- Sein Dichterherz ist eine geheimnissvolle lebendige Glocke, die da klagt und jauchzt, sowie nur ein Laufthauch seines Volkes Stirne anweht — indess die groben Geister des lärmenden Alltags nichts fühlen noch ahnen. Zlocisti ist nicht sein ganzes Volk, nicht die ganze unendliche jüdische Seele. Er ist nur ein Teil von ihrer Kraft, nur ein Farbenstrich in ihrem flammenden Spektrum. Zlocisti ist nur das Zarte, das Stille, das Sinnige in ihr, ihre milde Wehmut, ihr Hoffnungslächeln. Was da an Blitz und Sturm in Juda ist, ist nicht sein Theil. „Der stille Garten", dieser Name für einen Abschnitt der Sammlung, wäre so recht ein Titel für sein ganzes Werk. Hier spielt er sein eigenstes Instrument, die weiche Flöte, und ihre lieblichen Dämmerungsmelodien. Diese kleinen, zarten, wie hingehauchten Gemälde sind seine schönsten: . . Zwischen den Knieen hält mich die Muhme, Und stammelnd bet' ich das Nachtgebet. Kaum weiss ich's noch. . . Alte stille Lieder, Betet mir meine Kindheit wieder. Oder „Sabbatanfang": Der Abend sinkt . . du bist allein. Nun zündest du die Sabbatfeierkerzen Und flehst den Frieden in dein stilles Heim.

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