Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 10 (10.1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10. 175. Deutsche Turnerschaft. In der deutschen Turnerschaft haben sich wiederum Vorgänge abgespielt, welche die daselbst den jüdischen Mitgliedern gegenüber beliebte Methode der „Toleranz" in charakteristischer Weise beleuphten. Die Sache scheint uns wichtig genug, um noch in längerer Ausführung darauf zurückzukommen. Fürs praktische Turnen. Der Anlauf zum Sprunge. Von Th. Scholen!. Eins der wichtigsten Erfordernisse für die gute Ausführung eines Sprunges ist der Anlauf. Bei keiner turnerischen Übung findet sich eine so ungleiche, oftmals falsche, fast immer unschöne Gestaltung als beim Anlauf. Es lassen sich an jedem Turnabende genaue Beobachtungen hierüber anstellen, die nicht nur rein turnerischer, sondern auch psychischer Art sind. Mangelnder Mut, Unsicherheit über den Ausgang des Sprunges, beides Eigenschaften, die ein rechter Turner nicht kennen soll, zeigen sich in der Art des Anlaufes. Oft aber auch das Gegenteil, wildes Darauflosjagen, unüberlegt und unbedacht. Das eine wie das andere führt zur schlechten Ausführung des Sprunges und birgt Gefahren für die Sicherheit des Springenden in sich. Der Zaghafte wechselt beim Anlaufe oftmals den Schritt, im letzten Augenblicke, beim Absprunge, verlasst ihn der Mut, er lührt den Sprung nicht aus und gerat in die Gefahr des Sturzes vom Geräte oder auf das Gerat. Der wild Dahinstürmende tritt leicht beim Absprunge fehl oder verliert im\Sprunge die Körperhaltung, beides kann für ihn von üblen Folgen sein. Die meisten Springer laufen vom Standorte mit übermässig nach vorn gebeugtem Obergörper ab, ihr Laufschritt ist ungleich, einmal schnell, einmal langsam, der eine nimmt einen langen, der andere zu kurzen oder gar keinen eigentlichen Anlauf. Wie soll man nun anlaufen? In welchem Abstände vom Gerat und in welcher Haltung? Der Abstand muss sich wesentlich nach der Art des Gerätes richten. Soll ein Weitsprung ausgeführt werden, so muss der Anlauf entsprechend der Weite vergrössert werden. Für den einfachen Hochsprung dürfte ein Anlauf von 6 Schritten genügend sein, werden doch beim militärischen Freihochsprung 3 Schritte für ausreichend erachtet. H Schritte bedeuten jedoch nur ein Anschreiten, da erst mit dem dritten Schrille von einem wirklichen Anlaufen die Rede sein kann. Ein zu langer Anlauf erhöht nicht nur die Unsicherheit des Sprunges, sondern ermüdet auch den Springer unnötiger Weise, ein zu kurzer Anlauf beeinträchtigt jedoch die Kraft des Sprunges. Auch beim Weitsprunge soll nicht aus übermässiger Entfernung abgelaufen worden. In den meisten Turnhullen hindern dies zwar schon die Hiiumverhüllnisse, doch wird im Freien hierin oft zu viel gethnn. Der Anlauf muss in ganz gerader Haltum» beginnen. Beim Laufen neigt sieh der Oberkörper nalurgemilss etwas nach vorn, dem zu erreichenden Ziele entgegen. Auch hierbei darf die Körperhaltung nicht verloren gehen, der Kupf und die Schultern iiM'hl nach rechts und links ^eworton