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Jüdische Turnzeitung · 1902-10-01 · 10 (10.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
10 (10.1902)
Date
1902-10-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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No. 10. 169. jeweils vorhandenen Beträge sogleich nach Möglichkeit zum Landankauf ausgegeben werden. Was die Minsker Konferenz als eine so imposante Kundgebung erscheinen lässt, dass ist die Thatsache, dass die grosse Zahl der Anbänger des Zionismus in Russland, vertreten durch ihre Delegierten, zum ersten Male geeinigt vor die Öffentlichkeit getreten ist. Die zelotische Richtung muss es sich gefallen lassen, dass eine orthodoxe Gruppe, an deren Spitze der Rabbiner Reines steht, den zionistischen Heerbann verstärkt; die den „Bund" bildende jüdische Arbeiterpartei, die nur die Existenz von Klasseninteressen für das jüdische Volk anerkennt, musste einsehen, dass der Gedanke der „Weltverbesserung" eine Reihe ihrer Anhänger nicht über die Leere dieses jedes nationale Empfinden negierenden Ideals hinwegtäuschen konnte, und so war sie wider ihren Willeiji bei der Konferenz in Minsk vertreten. Der Assimilätorenpartei schliesslich ist in Russland nicht dieselbe Bedeutung beizumessen wie bei uns. Von den Einzelheiten der Konferenz verdient hervorgehoben zu werden das dreistündige Referat des Ingenieurs Ussischkin über die Neugestaltung der zionistischen Organisation Russlands, die bereits erwähnte Verhandlung über den Nationalfonds, das Referat des Prof. Belkowsky über die jüdische Kolonialbank, die bereits jetzt ihren Aktionären eine Dividende von 2,3% gewährt. Den Glanzpunkt dieser ganzen Veranstaitung aber bildete die dreitägige, die jüdische Kulturfrage betreffende Debatte, die mit der geistreichon und tief durchdachten Rede des gefeierten hebräischen Schriftstellers U. Ginsberg (Achad-Haam) über „Nationale Erziehung vom theoretischen Gesichtspunkte" eingeleitet wurde.*) Seine Ausführungen gipfelten im wesentlichen in dem Gedanken, dass man wohl von dem Vorhandensein einer jüdischen Nationalkultur reden könne, dass dieselbe jedoch in der Gegenwart keine Bereicherung erfahren und nichts Originelles hervorbringen könne, weil unter den jetzigen Verhältnissen eine Entwickelung der specifischen Geisteskräfte des Judentums nicht möglich sei. Daher müsse man die Schaffung eines geistigen Centrums für die Judenheit anstreben, und Pflicht der zionistischen Partei sei es, für das Zustandekommen einer kulturellen Organisation in ihrem Schosse *) Ich kann den Lesern dieser Zeltung nicht dringend genug ans Herz legen, von dem gesamten Inhalt dieser Rede durch eigene Lektüre Kenntnis zu nehmen. „Die Welt" No. 40, S. 3.

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