Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 10 (10.1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10. 168. liehen, religiösen und kulturellen Fragen wurden Beratungen gepflogen, die entweder von bereits vollzogener Arbeit zeugten oder einen Ausblick auf eine segensreiche praktische Thätigkeit in der Zukunft gewährten. Die Möglichkeit zu einer solchen ist allerdings dem russischen Zionismus in einem weit höheren Masse geboten, als dem westlichen. Berücksichtigt man, wie brennend einerseits die Frage der sozialen Hebung der jüdischen Proletariermassen Russlauds ist, wie notwendig andererseits die Verbreitung moderner Bildung und Aufklärung unter dieser teilweise noch in chassidischzelotischen Anschauungen befangenen Bevölkerung ist, so begreift man, was hier gegenwärtig von Männern mit warmem jüdischen Empfinden zur Stärkung eines grossen Teiles unseres Volkes gethan werden kann. In welcher Weise das bereits gesehen ist, das zeigt z. B. folgende Stelle*) aus dem Referat, das der Ingenieur Temkin über die Kulturthätigkeit der Zionisten im Rayon Elisabethgrad gab. Bisher sind dort 48 Muster-Chadarim gegründet worden, darunter solche, in denen das Hebräische nach der Berlitz-Methode unterrichtet wird. Auch in den Talmud-Thora-Anstalten weht ein frischer Hauch, Lichtfunken brechen durch ihre verschlossenen Fenster. Ferner sind Mädchenschulen gegründet worden, um den Töchtern guten jüdischen Unterricht zu erteilen. Mit sichtlicher Genugthuung erzählt der Referent von den Abendlehrkursen, die in den meisten Städten seines Rayons eingerichtet worden sind und den jüdischen Volksmassen allgemeine und jüdische Kenntnisse mit Hilfe verschiedenen Illustrationsmaterials wie Skioptikon etc. vermitteln. In den Lesehallen versammelt sich die Jugend und das Bürgertum zur Lektüre jüdischer Zeitschriften und Bücher etc. Demselben Bedürfnis, schon in der Gegenwart helfend einzugreifen, entspricht auch der Wunsch, bereits jetzt bezüglich der Palästina-Kolonisation zu greifbaren Resultaten zu gelangen. Daher wurde trotz entschiedener Anerkennung des grossen politischen Zieles des Zionismus bei der Debatte über den Nationalfonds folgende Resolution gefasst: 1. dass alle Gelder, die für den Nationalfonds einfliesen, ausschliesslich zum Landankauf in Palästina verwendet werden sollen, 2. dass der Paragraph der Statuten, welcher von der Höhe des Nationalfonds handelt, dahin abgeändert werde, dass keinerlei unantastbares Grundkapital festgesetzt werde; vielmehr sollen die Zitiert nach der „Welt", No. 38, S. 2.