Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 9 (9.1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9. 158. „Jüdischer Turnverein Halberstadt" abgeändert, ausserdem wurden einige Paragraphen einer Abänderung unterzogen. Ein Antrag, in die Statuten einen Paragraphen einzuschalten, wonach der Verein sich auf nationaljildischen Boden stellt, wurde mit allen gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt; ebenso ein Antrag, dahingehend, dem Vorstande, welcher statutengemöss nur aus aktiven Mitgliedern bestehen darf, 2 passive Mitglieder zuzugesellen. Eine längere, teilweise erregte Debatte entspann sich über die Anfrage eines Mitgliedes, weshalb der Verein sich nicht an dem jüngst hier stattgefundenen Gauturnfest betheiligt hat. Nach ca. 4stündiger Sitzung wurde die Versammlung mit einigen Worten des Leiters und der Aufforderung, auch fernerhin treu zum Verein zu stehen und am Turnen fleissig teilzunehmen, geschlossen. Anmerkung der Redaktion. Die oben erwähnte Anfrage eines Mitgliedes und die Stellung des Vereins zur national-jüdischen Idee sind ausserordentlich bezeichnend dafür, dass den Herren der Zweck „jüdischer" Turnvereine noch recht unklar ist. Wir verweisen auf den Aufsatz: „Konfessionelle oder nationaljüdische Turnvereine?" im heutigen Hefte, in dem wir unsern Standpunkt präzisieren! Posen. „Neuer Posener Turnverein". Am 16. August fand in Posen auf Anregung des rührigen Zionisten Dr. med. Karl Jeremias, prakt. Arztes, und unter besonderer Teilnahme der jüdischen Referendare eine zahlreich besuchte Versammlung statt, die über die Gründung eines jüdischen Turnvereins mit lebhaftem Eifer verhandelte. Die Gegensätze — hie jüdisch, hie simultan — prallten heftig aufeinander. Obwohl bt iderseits anerkannt wurde, dass der Charakter der Versammlung schon an und für sich die Notwendigkeit eines neuen, thatsächlich jüdischen Turnvereins bezeugte, schien doch schliesslich die simultane, sogenannte liberale Richtung die Oberhand zu gewinnen. Man wählte eine Commission mit der Weisung, das Statut eines simultanen Vereins auszuarbeiten. Es kam aber anders. Nach 8 Tagen legte die Commission der endgültig konstituierenden Versammlung den Statutenentwurf vor. Doch auch die Herren Juristen, in der Mehrzahl stramm jüdisch gesinnt, waren inzwischen nicht faul gewesen. Sie brachten einen fertig formulierten Kompromissvorschlag mit, der durch seinen verblüffend scharfsinnigen Inhalt die wiederum durchaus jüdische Versammlung für sich gewann. Man höre und staune. Auf den Namen „Jüdischer Turnverein", auf den statutarischen Ausschluss Andersgläubiger und damit natürlich auch auf die Förderung jüdisch-nationaler Gesinnung wird verzichtet. Trotzdem wird die Thatsache, dass der „Neue Posener Turnverein" — so der Name — von Juden gegründet wurde, der staunenden Nachwelt im Statut verkündet, und, was noch merkwürdiger ist, als Zweck des Vereins wird die Pflege des Turnens unter den Juden Posens festgestellt. Es ist klar, dass hiernach in der Regel Nichtjuden als aktive Mitglieder nur in dem Falle aufzunehmen sind, wenn sie den Verein als Turnwarte oder Vorturner oder sonstwie in besonderm Masse fördern können und wollen. Das jüdische Element dominiert also nicht nur thatsächlich, sondern auch statutarisch.