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Jüdische Turnzeitung · 1902-08-01 · 8 (8.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
8 (8.1902)
Date
1902-08-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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No. 8. 127. wenn von der zionistischen Gesamtheit einer derartigen Hoffnung Ausdruck gegeben worden wäre. Hingegen kann das, was für die Verwirklichung der zionistischen Idee unter den gegebenen Verhältnissen Positives geleistet worden ist, auch der schärfsten Kritik standhalten. Die Schaffung eines von Juden aller Länder beschickten Parlamentes und einer ausgebreiteten Organisation haben das Staunen und die Bewunderung der ganzen Welt wachgerufen, die Gründung der Kolonialbank und des jüdischen Nationalfonds müssten doch selbst von eingefleischten Realisten als positive Leistungen anerkannt werden, und schliesslich berechtigen die im Interesse des Zionismus angeknüpften diplomatischen Beziehungen zu den besten Erwartungen. Wenn nun dem entgegengehalten wird, dass es dem Zionismus an kolonisatorischen Erfolgen mangele, so liegt darin eine Verkennung der Bedeutung der zionistischen Bewegung, die im Gegensatz zu den bisherigen Bestrebungen alle Kräfte zu einer umfassenden und energischen Aktion sammeln und die ihm anvertrauten Geldmittel nicht in einzelnen Versuchen zersplittern will, die uns doch nicht der angestrebten Lösung der Judenfrage näher bringen. Dieses Festhalten an dem ursprünglichen grossen Endziel hindert uns aber nicht, überall da, wo eine augenblickliche Not ein rasches Eingreifen notwendig macht, den Bedürfnissen der Gegenwart Rechnung zu tragen. Das ist auch von nichtzionistischer Seite anerkannt worden, z. B. von Herrn Dr. Eschelbacher, der in der letzten Rabbinerversammlung auf die thatkräftige Hülfe hinwies, die rumänischen Juden von Zionisten zu .teil wurde. Ebenso finden alle jüdischen Wohlthätigkeits- und Kolonisationsvereine die lebhafteste Unterstützung seitens der einzelnen Zionisten. So weit unsere sachliche Antwort auf den Vorwurf mangelnder positiver Leistungen. Nunmehr frage ich : Verdient der Zionismus, diese aus reinstem Idealismus, aus lebendigem jüdischen Gefühl und aus sozialem Empfinden hervorgegangene Bewegung eine derartige lieblose Beurteilung seitens unserer Stammesgenossen? Dass den nach Taufe, Karriere und Germanentum lüsternen jüdischen Elementen jedes noch so kleinliche Mittel zur Bekämpfung des Zionismus recht ist, darf uns füglich nicht wundern, denn sie handeln in der Notwehr gegen einen Feind, der ihre sittliche Qualität der Menschheit offenbart. Bedauerlich ist nur die Unterstützung dieser Elemente durch gut jüdisch gesinnte Kreise, die getreue Gefolgschaft leisten, wo es gilt, den Zionismus zu schädigen 8*

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