Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 7 (7.1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7. 123. von Ort zu Ort zu schwemmen, zogen wir nach Steinbeck, wo wir an fröhlicher Tafel beisammen blieben, bis die Quartiermacher ein Unterkommen für die Nacht gefunden hatten. Und das war nicht leicht. Die Gasthöfe waren besetzt. Eine gutmütige Bauernfrau wollte uns gern die blanken Dielen ihres Wohnzimmers, zur Verfügung stellen, doch fügte sie gleich hinzu, die Dielen seien nicht fest aneinander gefügt, sie könnten sich auseinanderschieben und wir — in den Kuhstall hinunterfallen. Da jedoch die Kühe am anderen Tage gebraucht wurden, wollten wir sie in ihrer Nachtruhe nicht stören. Schliesslich fand sich ein Bäuerlein dazu bereit, uns in seiner Heuscheune Nachtquartier zu gewähren. Wir hätten hier auch ganz gut geschlafen, wenn uns nicht der Regen fortwährend aufs Gesicht getropft, die Scheune ungemein zugig gewesen wäre und die Schweine, die nur durch ein paar Latten von uns getrennt waren, sich ihrer Nachbarschaft nicht so laut gefreut hätten. Da unter diesen Umständen an Schlaf nicht zu denken war, bevor nicht die Natur ihr fiecht dringend geltend gemacht hätte, so wandelten wir noch auf der Landstrasse auf und ab und hörten dem Gesänge der Dorfkinder zu. — Des Morgens prangte ein Kuchen von riesigen Dimensionen auf unserer Kaffeetafel — er prangte nicht lange. Ach, wie bald schwindet Schönheit und Gestalt! Kaum gedacht, ward der Lust ein End' gemacht. Frohen Mutes zogen wir nach einem herzlichen Dank an unseren freundlichen Wirt über Leuenberg in den Blumenthal am Langen-, Mittel- und Gamensee entlang. Da es wieder zu regnen begann, zogen wir ohne Rast im strammen Marsche zum Latt- und Ihlandsee und gelangten schliesslich Mittags nach Straussberg. So hatten wir leider wenig Gelegenheit, die Schönheiten des Blumenthals zu geniessen. Nun, nachdem wir das Endziel erreicht hatten, hatte ja auch der Regen seine Schuldigkeit gethan. Der Himmel klärte sich auf und lachte mit seinem schönsten Gesichte auf unsere fröhliche Turnkneipe herab, die wir nach angemessener Mittagspause unter Leitung des Vbr. Dr. Richard Loewe abhielten. So hatte unsere Turnfahrt einen freundlichen Abschluss erhalten und in bester Stimmung begab man sich gegen Abend zum Bahnhof, um den heimischen Wänden entgegen zu eilen, eingedenk des alten Spruches: Wenn du mal eine Reise thust Nach Osten oder Westen, So denk' stets an das alte Wort: „Bei Muttern ist's am besten." — Nur drei Turngenossen setzten durch das schöne Wanderwetter angeregt, ihren Marsch nach Bollersdorf fort. Da in dem einzigen hier vorhandenen Gasthof getanzt wurde, mussten wir weiter ziehen. Drei liebenswürdige Herren führten uns auf den Weg zu den Bollersdorfer Höhen. Zur Linken die Anhöhen, zur rechten den Scharmützelsee, in dem sich der Mond silbern spiegelte, genossen wir den Reiz einer nächtlichen, leider nur kurzen Waldwanderung. Ein Licht in der Ferne und Hundegebell wies uns den Weg nach dem Städtchen Buckow, das bereits in tiefer Ruhe lag, als wir einzogen. Nach angenehmer Nachtruhe wanderten wir am Morgen gestärkt durch die herrliche Umgebung Buckows mit ihren schönen Aussichtspunkten und fuhren Nachmittags von Rehfelde heim, um uns de.s Abends wieder auf dem Turnsaal zu treffen. B. Frankfurt a. Oder. Vor einigen Tagen hat sich auch hier ein jüdischer Turnklub mit etwa 20 Mitgliedern aufgethan, der im engsten Connex mit dem Berliner „Bar Kochba" steht und mit dem letzteren schon eine gemeinsame Nacht- und Tagesturnfahrt («• u. Berlin) am 19. und 20. d. M. unternommen hat. Berichtigung. Herr Max Abraham bittet uns, die im vorigen Hefte (jbeiseine turnerische Laufbahn enthaltene Notiz dahin zu berichtigen, das» er an dem Vorturnerausbildungskursus der Berliner Turnerschaft nicht als Lehrer, sondern als Lernender beteiligt gewesen sei. D. Red.