Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 7 (7.1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7. 110 Antisemiten anzusehen und mit sträflicher Blindgläubigkeit zu wiederholen, was sie uns nachsagen. So ist es auch für viele, selbst stolze Juden eine keines Beweises bedürfende Thatsaclie, dass der Jude körperlich unbeholfen, kläglich ungeschickt, bejammernswerth schwächlich ist, dass er zwei linke Hände hat, fortwährend über die eigenen Beine stolpert, lieber schief und krumm als gerade steht u. s. w. Das behaupten die Antisemiten und das sagen wir ihnen nach. Höchstens wagen wir, für mildernde Umstände zu plaidieren. Was Wunder, sagen wir, dass es uns an Muskelkraft und Gewandtheit fehlt? Wir haben in der tausendjährigen Ghettohaft aus Mangel an Übung unsere körperliche Tüchtigkeit notwendig verlieren müssen. Jetzt fehlt sie uns freilich und wir müssen es uns sauer werden lassen, sie uns wieder anzuerziehen. Die Antisemiten haben uns mit Augen des Hasses beobachtet und ihre Bosheit lässt sie das Wahrgenommene lächerlich falsch deuten und verallgemeinern. Es ist richtig, dass nur zu viele Juden eine schlechte Haltung haben. Aber sie ist ihnen keineswegs natürlich. Sie ist lediglich die Folge fehlender körperlicher Erziehung. Hierin unterscheidet sich der Jude nicht vom sogenannten Arier. Wer dazu Gelegenheit hat, der halte doch auf Kasernenhöfen und Exerzierplätzen Umschau. Er wird sich rasch überzeugen, dass zwischen dem Juden und dem Nichtjuden aus dem Kramladen oder der Schusterwerkstatt äusserlich kein Unterschied zu beobachten ist. Ich habe mir von Unteroffizieren, die über den Verdacht des Philosemitisnuis und selbt der einfachen Gerechtigkeit gegen uns hocherhaben sind, sagen lassen, dass nicht nur der arische Tagelöhner, Geselle und Ladenschwengel, sondern auch der Pflugknecht, der Bursche vom Lande, der doch Gelegenheit hatte, seine Glieder frei zu bewegen und zu üben, viel begriffsstutziger sind als die jüdischen Rekruten, und dass ihre militärische Ausbildung viel mühseliger und langsamer ist als die ihrer jüdischen Kameraden aus denselben oder ähnlichen Volksschichten. Die Zerrbilder in den Witzblättern, in denen zum Vergnügen der jüdischen und christlichen Antisemiten [üdische Soldaten als lächerliche Vogelscheuchen dargestellt sind, werden nicht aus der Wirklichkeit geholt. Sie sind liebenswürdig wohlwollende Erfindungen und sonst nichts. Wenn sie ein Vorbild haben, so ist dies allenfalls der junge Krieger überhaupt in