Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 6 (6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüdische Turnzeitung. No. 6. Juni 1902. III. Jahrg. Diätetik der Leibesübungen. Von Privatdocent Dr. A. Albu (Berlin). A us dem zu Pfingsten d. J. veranstalteten Distanzwettmarsch Dresden-Berlin sind, wie durch die Tageszeitungen bereits bekannt geworden ist, mehrere Vegetarier als die Sieger hervorgegangen, wie auch schon bei einem ähnlichen Sportunternehmen in kleinerem Massstabe vor einigen Jahren. Darüber herrscht zur Zeit heller Jubel im Lager der Vegetarier, welche diese Siege als sichere Beweise dafür ansehen, dass pflanzliche Nahrung eine grössere körperliche Leistungsfähigkeit verleihe als animalische beziehungsweise gemischte Kost. Dies ist ein Trugschluss, hervorgegangen aus der einseitigen Deutung aller bei Beurteilung der Frage in Betracht kommenden Faktoren. Doch ist hier nicht der Ort, in eine Kritik jener Behauptung einzutreten, da sie eine Analyse der gesamten, dem Vegetarismus zu Grunde liegenden Anschauungen erfordern würde. Ich betrachte es als ausgemacht, dass es bisher nicht bewiesen ist, dass zur Entfaltung grosser körperlicher Kraft irgend eine Art der Ernährung überhaupt einen ausschlaggebenden Einfluss ausübt, am allerwenigsten eine einseitige Ernährung. Die wissenschaftliche Lehre von der Physiologie der Ernährung hat bisher folgende Thatsachen festgestellt: Die Muskelarbeit kommt allerdings zustande in erster Reihe durch den Verbrauch (Veibrennung) der leicht oxydierbaren Nahrungsstoffe, d. h. der Fette und vor allem der Kohlehydrate, welche bekanntlich die Hauptmasse der pflanzlichen Nahrungsmasse ausmachen. So sehr auch die Muskelarbeit gesteigert wird, niemals wird das Körpereiweis in Anspruch genommen und angegriffen, sondern der Mehrverbrauch wird auf Kosten der Kohlehydrate bestritten. Nun wäre es eine laienhafte Schlussfolgerung, daraus die vermehrte Zufuhr von Kohlehydrathal tigen Nahrungsmitteln als zweckmässig für die Ausführung der Leibesübungen jedweder Art abzuleiten. Denn die Kohlehydrate sind nichts anderes als Heizmaterial, und es ist irrationcll, mehr Kohlen zur Speisung einer Lokomotive zu verwenden als notwendig G