Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 5 (5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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74. man andererseits die Thatsache, dass speziell die Juden im Vergleich zu den anderen Kulturvölkern nicht nur muskelschwach sind, sondern auch ein — wie den Lesern dieses Blattes bekannt — sehr grosses Kontingent zu den konstitutionellen Kranken stellen, dass die Zuckerharnruhr verhältnismässig mehr Juden wie Christen befallt, so wird man mit Fug uiid Recht fordern dürfen, dass gerade ein-jüdischer Turnverein eine Auswahl nach der Richtung der Gesundheit trifft. Bekanntlich rekrutiert sich ein grosser Teil der Patienten aller Art, besonders derjenigen mit allgemeinen Krankheiten, aus solchen, die sich bisher für ganz gesund gehalten haben, eines Tages aber wegen irgend welcher geringen Beschwerden den Arzt aufsuchen. Dieser konstatiert nun in vielen Fällen, dass das betreffende Leiden schon seit langer Zeit besteht, oft viele Jahre lang; und doch hatte der Patient nicht die geringste Kenntnis seines krankhaften Zustandes. Oder der Arzt findet deutliche Veränderungen, die mit den Xlagen des Kranken nur in losem oder gar keinem Zusammenhang stehen. Bedenkt man diese, durch die tägliche Praxis sichergestellten Thatsachen, so wird es niemanden Uberraschen, wenn ich behaupte, dass es auch in jedem grossen Turnverein chronische Kranke giebt, die, ohne Kenntnis ihrer geschädigten Gesundheit, gleich den Übrigen, den wirklich Gesunden, am Turnen sich beteiligen. Es ist zweifellos, dass diese Kranken den Eindruck gesunder Menschen machen können, denn schliesslich entscheidet ja für die grosse Mehrzahl der Fälle erst die ärztliche Untersuchung, o b jemand überhaupt krank ist oder nicht. Es ist nun festgestellt, dass eine grosse Reihe chronisch Kranker direkt durch das Turnen geschädigt werden derart, dass die Krankheit, die bis dahin vielleicht still stand, nun mehr oder weniger merkbare Fortschritte macht; denn erstens reichen die Kräfte solcher Turner meist nicht aus, um hohen Anforderungen, die in tüchtigen Vereinen immer gestellt werden, gerecht zu werden, und Herz und Lungen werden gefährdet. Ausserdem ist, zumal im Sommer, die unvermeidliche Staubentwicklung beim Marschieren und mehr noch beim Laufen ein bedenkliches Hindernis für die Gesundung der Kranken. Denn was Gesunde ohne Schaden ertragen, das ist für Patienten oft ganz verderblich. Nichts kräftigt gewiss den Körper mehr als ausgiebige Benutzung und Übung aller Muskeln. Aber Kranke bedürfen einer