Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3. 54. nicht jeder genug im Leben zu kämpfen, um auf dem Turnsaale, der Stätte seiner Erholung und körperlichen Stärkung, Frieden zu finden? Das Wettturnen zerrt die auf hoher Warte stehende, ideale Turnsache in sportliche Bahnen. Ich weiss nicht, welches der von Herrn Otto angezogene „grosse" Gedanke der Wettturnerei ist. Mir erscheint der allein gross, der imstande ist, allen Menschen zu nützen in der einfachsten Form. Daher vor allem Frei- und Ordnungsübungen, sie bilden die Grundlage alles Turnens. Herr Otto scheint ferner auf Turnfesten sich nicht genügend umgesehen zu haben. Wenn er z. B. beim Deutschen Turnfeste in Hamburg das, einen Teil des Einzelwettturnens bildende 200 m-Wettlaufen gesehen hätte, so würde er wahrscheinlich wie ich und viele andere empört gewesen sein über diese Quälerei. Der Zustand, in twelchem die nach Erledigung eines langen Turnprogramms ermatteten Läufer am Ziele anlangten, war ein jammervoller. Ich habe in einer Versammlung des Berliner Turnrats ausdrücklich hierauf aufmerksam gemacht. Wenn Herr Otto seine lieben Nebenmenschen, von deren Selbstlosigkeit beim Wettturnen er so viel zu halten scheint, etwas genauer und menschlicher einschätzen würde, so würde seine Begeisterung für das Wettturnen wohl auch etwas abgekühlt werden. Frage er doch einmal in seinem Gau die führenden, turnerischen Leiter, ob sie denn so begeistert für den „hohen moralischen Wert" des Wettturnens sind? Die gewaltige Begeisterung für Olympia wird Herr Otto bei genauer Betrachtung der Geschichte der olympischen Spiele und all dessen, was bei ihnen mitwirkte, stark herabmindern müssen. Es giebt sogar böse griechische Schriftsteller, die nichts Gutes darüber berichten. Wetlkampf ist eben Wettkampf. Tout comme chez nous! Punkt für Punkt würde ich ferner Herrn Otto widerlegen können. Ich muss es mir der Kürze halber versagen und möchte nur mit dem Wunsche schliessen, dass der jüdische Turnverein „Bar Kochba" vorbildlich sein möge in der Pflege des grossen, idealen Gedankens, den unter jahrtausendelanger Knechtschaft gebeugten Leib unserer jüdischen Brüder zu stärken und aufzurichten, in freudiger und friedlicher Arbeit, ohne Kampf und Streit. — Aus der jüdischen Turnerwelt. Zur Beachtung für die Schriftführer! Die Manuskripte dürfen nur auf einer Seite und nicht zu eng beschrieben werden. Berlin. Jüdischer Turnverein „Bar Kochba". Unser Turnwart Richard Blum hat die Ende Februar in der Königl- Turnlehrerbildungsanstalt zu Berlin stattgefundene staatliche Turnlehrerprüfung bestanden. Vivant sequentes! — Am i. März begann unser Samariterkursus. Da die Beteiligung von Seiten der Männer- und Frauenabteilung eine ausserordentlich starke ist, musste eine Trennung beider Abteilungen stattfinden; die Leitung des Kursus in der Männerabteilung liegt in den Händen des Herrn cand. med. Georg Arndt, den Kursus der Frauenabteilung leitet Turnwart cand. med. R. Blum. —