Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 12 (12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965005-5965157--0306-4921379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No 12. 146. sein zurück zu bringen, während das Unterlassen dieser selbstverständlich erscheinenden Handlung unter Umständen den Tod zur Folge haben kann. Zahllose Menschen, die scheinbar leblos aus dem Wasser gezogen waren, sind durch die schleunige Anwendung der einfachen Atembewegungen und Massregeln, wie sie die kleinen Blechtafeln auf unseren öffentlichen Brücken illustrieren, in's Leben zurückgerufen worden; wer liest freilich derartige „Anweisungen zur Wiederbelebung Ertrunkener", und wer vermag im Ernstfall aus der Lektüre allein, ohne Vorübung, den Mut der Initiative zu schöpfen! „Wohl ist es ein schreckliches Gefühl, einem . . . Unglücksfalle gegenüber zu stehen, zu sehen, wie der rote Blutstrom unaufhaltsam aus der Wunde quillt, wie mit jedem Augenblick der Tod näher rückt, ohne zu wissen, wie das Unheil abzuwenden sei. Den Drang, in Unglücksfällen seinem Nebenmenschen Hilfe zu leisten, empfindet jeder gute Mensch, aber die Meisten schrecken davor zurück, selbst Hand anzulegen, weil sie nicht wissen, ob sie nicht Verkehrtes thun und durch ihre Hilfe mehr Schaden als Nutzen stiften."**) Da in Deutschland alljährlich ungefähr 30000 Menschen an Unglücksfällen sterben, so haben wir einen gewissen Massstab für die Gesamtsumme der Unglücksfälle überhaupt und können mit Wahrscheinlichkeit schliessen, dass die Rolle des Hilfsbedürftigen oder Helfers an jeden einmal herantritt. Nächst der Kenntnis der durch Unfälle verursachten Schädigungen des Körpers und der ersten Massregeln zu ihrer Bekämpfung ist eine gewisse Übung in der Anwendung der letzteren unerlässlich, und noch etwas, ein teils hierdurch erworbener, teils auf dem Gebiet des Persönlichen liegender Takt, der sich in der Geistesgegenwart, Besonnenheit und Festigkeit im Auftreten des Helfenden kundgiebt. Hier liegt denn der innere Grund für die Erwartung, der rechte Turner habe auch das Zeug zu einem rechten Samariter: Entschlossenheit und die aus der Kenntnis des eigenen Leistungsvermögens gewonnene Selbstsicherheit zählen ja zu den höchsten Errungenschaften des Turners. Ein gutes Samaritermaterial ist also in der Turnerschaft unzweifelhaft vorhanden, als Brücke zum Verständnis für die Lehre vom Aufbau, den Funktionen und durch Unfälle entstandenen Störungen unseres Organismus diene die den Turnbetrieb beseelende Freude am Körperlichen. Uns Juden geht dies Alles um so mehr an, als wir mit den bestehenden, überaus segensreich wirkenden **) F r i e d r. v. Esmarch, »Erste Hilfe b. plötzl. Unglücksfällen."