Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 11 (11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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143. Wien. Am n. November d. J. hielt der Erste Wiener Jüdische Turnverein in seinem eigenen Turnsaale seine zweite statutarische Hauptversammlungab. Der Obmann, Herr Dr. Ludwig Werner, begrüsste die Versammelten und indem er die Geschichte des Vereines vortrug, teilte er mit, dass der Bestand des Vereines gesichert sei und dass, wie aus dem Rechenschaftsberichte des Kassierers ersichtlich sein wird, der Verein aktiv sei. Hierauf berichteten die einzelnen Mitglieder des Turnrates über ihre Agenden. Besonders hervorzuheben ist aus dem Berichte des Kassierers, dass die Schuldenlast des Vereines im Laufe des Vereinsjahres von 3400 Kronen auf 1200 Kronen herabgemindert wurde. Die Mitgliederzahl hat einen erfreulichen Zuwachs erhalten, der Verein zählt jetzt 193 Mitglieder. Der Verein hat eine Damenriege, eine Fechtsektion, welche bereits ihre Uebungen begonnen haben, und ausserdem ist jetzt innerhalb des Vereines ein Klub für schwere und leichte Athletik gegründet worden. Hierauf wurden folgende Herren einstimmig gewählt: Dr. Ludwig Werner zum Obmann, ing. Emil Fried zum Obmann-Stellv., Dr. N. Lanzer, I. Schriftführer, Fräulein Therese Burger, II- Schriftführerin, Hugo Spitzer, I. Kassierer, Willi Epstein, II- Kassierer, Rudolf Pollak, I. Turnwart, Erwin Rosenberger, II. Turnwart, N. Löwenbein, Zeugwart. B. F......g. Der späte Einlauf des Wiener Berichts zwingt uns, das ausführliche Referat über den Turnbetrieb erst in nächster Nummer wiederzugeben. Blelitz. Der zu spät zugesandte Generalversammlungsbericht erscheint im nächsten Hefte. Zeitschriften-Rundschau. Für die liberalen Turnvereine Österreichs, deren Reihen sich im ver mehr lichten, sind harte Zeiten feekommen. Die völkische Hochflut fast und will ihre Opfer haben. Auch in die festesten Bollwerke des argbedrängten Liberalismus halt sie siegreichen Einzug. Was liberale Zeitungsschreiber euphemistisch liberales Bollwerk nennen, ist nichts anderes als die Zufluchtsstätte einiger Pseudoliberaler und das hochwillkommene Asyl für Assimilanten, die deutsch bleiben wollen bis zur letzten Konsequenz, bis zum schmählichen Hinauswurf. Vor einigen Tagen erst wurden Juden 'n einem solchen Schlupfwinkel aufgestöbert, ausgehoben und ins Freie befördert. Es war in Gablonz. Sonst ist so eine Säuberung ein einfach Ding. Die antisemitische Mehrheit, der die verschämt antisemitischen Arier durch Abwesenheit passive Unterstützung leihen, dekretiert in einer Volksversammlung Judenreinheit, und die Juden packen ihre Sachen. In Gablonz sorgte der liberale Turnverein für originelle Abwechslung, indem er dem schablonenhaften, offen - antisemitischen Hinauswurf der Juden die liberal-hinterhältige Hinausekelung vorzog. Bei der letzten Generalversammlung hielt die völkische Gruppe ihren Tag für gekommen und beantragte, die jüdischen Mitglieder sofort auszuschliessen. Der Antrag fiel, und der liberale Turnrat zog sich durch ein famoses Kompromiss aus der Affaire. Er stellte den Antrag, dass don dorn Vereine angehörenden Juden das Recht der Mitgliedschaft und Beitrags-