Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 10 (10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10. Über den Verlauf der Versammlung berichtet die „Ostschlesische Deutsche Zeitung", der wir Nachstehendes entnehmen: Als Erster sprach Herr Postbeamter H. Schrenzel, II. Turnwart, über das Verhältnis des Cultusvorstandes der Gemeinde gegenüber dem jüdischen Turnverein. Dieser war gegen ein allerdings nur nominelles Entgelt im jüdischen Schulhause zum Gebrauch des Turnsaals eingemiethet und wurde daraus sozusagen über Nacht verwiesen; am 31. August wurde die Aufsage zugestellt und am 1. September musste die Räumung stattfinden. Der vorgegebene Grund war lärmendes Verhalten der Turner und Störung der Nachbarschaft, was der Beschwerdeführer in Abrede stellt und versichert, dass bei einer allfälligen Vorhaltung in dieser Richtung gewiss Abhilfe geschafft worden wäre. Die Turner hätten bei ihrer eifrigen Vorbereitung auf das Stiftungsfest keine Zeit für Allotria gehabt und überdies sei etwas jugendliches Überschäumen nicht gleich als Verbrechen anzusehen. Der eigentliche Grund sei, dass der Turnverein als Brutstätte des Zionismus ausgeräuchert werden sollte, weil dessen Anhänger den Cultusvorstand verlästern und das friedliche Verhältnis der Juden zu den Christen beeinträchtigen. Die jüdischen Turner aber waren zu dem Zusammenschlüsse gezwungen, weil wohl der arische Turnverein bereit war, sie aufzunehmen, aber dessen deutsche Jungmannschaft mit dem Ausstande drohte. Der Sprecher protestiert gegen die Zumutung, den jüd. Turnverein mit den Zionisten zu identificieren; seine Mitglieder wollen nichts weiter als gute Juden sein. Auch der Austritt des Herrn Oberlehrers Goldberg dürfe nur als Chicane gedeutet werden. Der Cultusvorstand hat den Kontakt mit der jüdischen Jugend verloren und der Turnverein hebt den hingeworfenen Fehdehandschuh auf. Von brausendem Händeklatschen umrauscht, erschiem auf dem Podium Fräulein Lucy Markusfeld, vom Vorstand der Damenriege, um Namens der Damenriege gegen die Delogierung des Turnvereins zu protestieren und zu versichern, dass der jüd. Turnverein keine anderen Zwecke verfolgt habe, als das Turnen- Die Ausweisung erfolgte plötzlich und ohne plausiblen Grund, so dass nur Missverständnisse seitens des Cultusvorstandes den Schritt erklären können. Es wurde der Vorwurf erhoben, der Turnverein stelle sich in den Dienst des Zionisten Vereins Haschachar und singe zionistische Lieder. Da die Vorstellungen nichts fruchteten, schnürte der Verein sein Bündel und „zog aus dem Lande der Knechtschaft";