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Jüdische Turnzeitung · 1901-09-01 · 9 (9.1901) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
9 (9.1901)
Date
1901-09-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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No. 9. 119. sich immer mehr im Betrieb des Frauenturnens eingebürgert und steht heute seiner Bedeutung nach an erster Stelle. Zu diesen Gemeinübungen kommen Uebungen in den verschiedenen Gang- und Hüpfarten hinzu, die schliesslich zu den kunstvollen Liederreigen führen und den Tanzunterricht für die meisten Mädchen entbehrlich machen. Das Gerätturnen ist weise beschränkt; es soll vor allem Kraft entwickeln, trägt aber der Eigenart des weiblichen Körpers und der Forderung des Wohlanstandes durchaus Rechnung. An diese Turnübungen im engeren Sinne schliessen sich die Bewegungsspiele im Freien, besonders Faustball und Tamburinball, an, die bei den Frauen und Mädchen sehr beliebt sind und in denen sie es leicht zu so grosser Fertigkeit bringen, dass sie den besten Spielern ebenbürtige und gefürchtete Gegnerinnen werden. Besonders auf den Spielplätzen an der Grossen Allee zu St. Georg und an der Sternschanze findet man fast täglich Gelegenheit, sich von dem Spieleifer und der Geschicklichkeit der Turnerinnen zu überzeugen. Und endlich die Turnfahrten, »des allseitigen Turnens Blüte und Frucht", wie Jahn sagt. Wie selten haben oder suchen die meisten Frauen und Mädchen Gelegenheit zu anhaltender, erfrischender und erfreuender Wanderung in Gottes freier Natur! Man fährt wohl mit der Bahn nach Ahrensburg oder Friedrichsruh und macht einen Spaziergang in den nahen Wald, oder man fährt mit dem Dampfer nach Blankenese und ersteigt den Süllberg, bald aber ^gt man sich an einer Wirtstafel vor Anker und glaubt, Wunder wie viel für seine Gesundheit gethan zu haben. Da wissen die Leiter der Turnvereine besser, was auch dem weiblichen Geschlechte not thut. Unter Führung der Turnlehrer und der Turnlehrerinnen wandern des Sonntags die Turnerinnen über Berg und Thal, durch Feld, Wald und Haide. Ein kräftiger Marsch, erquickende Rast im Grünen, einfachste Verpflegung sind die Kennzeichen der Turnfahrt, ein frisches Lied, Wanderlust und laute Freude an der schönen Gottesnatur sind die lebensvollen Aeusserungen der wandernden Turnerinnen, froher Mut und unbeschreibliches Wohlgefühl sind die wohlthätigen Folgen der Wanderung. Und da will man das Turnen als unweiblich bezeichnen? Nein, eine solche Ansicht kann nur auf mangelnder Kenntnis der Ziele und des Betriebes des Frauenturnens beruhen! Es lohnt sich daher für jedermann, der in der Erstarkung und Erhaltung der Gesundheit des weiblichen Geschlechts eine

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