Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 9 (9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9. 117. Vermischtes. Zur Werbung für das Frauen-Turnen verbreitet der „Hamburgische Correspondent" eine Flugschrift, aus der wir folgende Stellen anführen möchten: „Zwei Gründe gegen den Besuch der Turnstunden hören wir besonders häufig. Manche Eltern tragen Bedenken, ihre Töchter im Turnverein turnen zu lassen, aus Furcht, diese fänden dort einen nicht standesgemässen Umgang oder möchten mit Elementen in Berührung kommen, von denen ein schädlicher Einfluss ausgehen könnte. Und manche Frauen, manche erwachsenen Mädchen lassen sich aus ähnlichen Erwägungen von dem Eintritt in einen Turnverein abschrecken und verzichten daher auf die Pflege der Leibesübungen. Wir berühren hiermit das betrübliche Kapitel der sozialen Frage. Sollte es wirklich für wahrhaft gebildete Mädchen und Frauen nicht möglich sein, mit Geschlechtsgenossinnen, die ihnen vielleicht nach Herkunft, Schulbildung und sonstwie nicht gleichstehen, sich zu gemeinsamer segensreicher Turnarbeit zu vereinen? Muss die an Vermögen, Wissen oder gesellschaftlichen Formen ärmere Schwester gemieden werden? Kann sie nicht z. B. an Herzensbildung oder Pflichterfüllung manche andere, die geringschätzig auf sie herabsieht, weit überragen? Aber freilich auch unter den Männern halten viele, vor allem Studierte, den Beitritt in einen bürgerlichen Turnverein für nicht slandesgemäss. Wie sollte es bei den Frauen anders sein! Dass aber von dem Turnverein ein besonderer schädigender Einfluss auf die sittliche Bildung der Mädchen ausgehen sollte, muss energisch zurückgewiesen werden. Bringen die Mädchenschulen nicht ähnlichen „ungeeigneten Verkehr"? Und traut es sich das Elternhaus, besonders die Mutter, nicht zu, etwaige schädliche Einwirkungen auf die Tochter, die irgend woher von aussen kommen könnten, erfolgreich zu bekämpfen? Ist ferner nicht gerade das Turnen als unentbehrliches Mittel zur sittlichen Erziehung des Menschen bewährt und längst anerkannt? Trotzdem ist die Behauptung aufgestellt worden, dass mit dem Frauenturnen die Gefahr „sittlicher Verrohung" verknüpft sei. Auf solche Prüderie hat ein erfahrener Fachmann folgende deutliche Antwort gegeben: „Gerade das Gegenteil kann ein aufmerksamer Beobachter finden, wenn er nicht zufällig zu denen gehört, die ein natürliches,