Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 9 (9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9. 112. Im Sonnenbad. Es ist im ersten Augenblick ein sonderbares Gefühl, wenn man im Badekostüm, das heisst im Kostüm Adams nach dem Sündenfall, ins Sonnenbad tritt, ohne dass man die Absicht hat, zu „baden". Ebenso sonderbar ist zuerst der Anblick der zahlreichen nackten Gestalten, die anscheinend ohne viel Zweck durcheinander gehen und laufen. Doch das dauert nur wenige Sekunden. Dann beginnt die Sonne ihre magische Gewalt auf den Körper auszuüben; die wohlthuende Wärme durchströmt uns mit einem Gefühl des Wohlbehagens, und das Bewusstsein, der lästigen Kleidung ledig zu sein, zwingt fast gegen unseren Willen Arme und Beine zu stürmischer Bewegung. So ist es kein Wunder, dass jeder die Gelegenheit zum Turnen, die hier so reichlich geboten wird, freudig benutzt. Wenn man sich satt gelaufen und gesprungen, gerungen und Gewichte gehoben hat, dann tritt m'it der angenehmen Müdigkeit und Schlaffheit ein anderes Bild in den Vordergrund: Auf einem Platze, der mit feinem weissem Sande bedeckt ist, liegen regungslos mit geschlossenen Augen eine Anzahl Ermüdeter und lassen sich von der brennenden Sonne durchglühen, Der Anblick reizt zur Nachahmung. — Aber wen seine weisse Haut als Neuling kennzeichnet, der liegt nicht lange so: Bald wird die Hitze des Sandes unerträglich, und die glühenden Sonnenstrahlen berauschen ihn fast. Als ich mich von diesem wirklichen Sonnenbade erhob, sah ich alles mit anderen Augen; jetzt hatte ich keine Lust mehr zu turnen und zu springen, ich sehnte mich nur nach Einem: Nach einem Wasserbassin, in dem ich nach Herzenslust schwimmen und plätschern könnte. Aber das fehlt. Und es ist nicht jedermanns Geschmack, mit dem Schlammbade vorlieb zu nehmen, in dem das Wasserschlucken so unangenehm ist. Aber mit Vergnügen geht man in den Brauseraum, um den Sand vom Körper zu spülen. Mancher muss das gründlich thun: Denn es giebt Gesundheitsfanatiker, die erst die Brause, dann »das Sandbad benutzen, andere, die sich bis an den Hals in Sand eingraben lassen, — Und nun wieder in diese hässlichen Kleider, die einem die frische Luft vom Körper absperren und die ma° jetzt als Centnerlast empfindet. Jüngst wohnte ich im Sonnenbad am Kurfürstendamm einer Männerschönheits - Konkurrenz bei. Was mir dabei besonders