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Jüdische Turnzeitung · 1901-07-01 · 7/8 (7.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
7/8 (7.1901)
Date
1901-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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No. 7/8. 86. reiche neue Uebungsformen und -Arten, begann eine regelrechte Turnsprache auszubilden und schuf ein allgemeines Volksturnen, das bald aller Orten Verbreitung fand. Mit Spiess begann eine neue Entwicklungsphase: die generelle Einführung des zuerst fakultativen, dann obligatorischen Schulturnens brachte die Trennung desselben vom Vereinsturnen mit sich und stellte neue und gewaltige Anforderungen an die zur Unterhaltung des Unterrichts verpflichteten Communen. Das Spiesssche System verlangle, sofern man nicht Monate lang den „regelrechten" Unterricht unterbrechen wollte, die Benutzung der Turnhalle. Die Erfüllung dieser Forderung enthielt keine Abweichung vom Jahnschen Turnen; sie bedeutete nur eine Ausgestaltung desselben. Denn Jahn wies selbst auf die Notwendigkeit und die Vorzüge der Turnhallen hin1), befindet sich freilich an diesem Punkte mit Guths Muths2) im Widerspruch. Es ist begreiflich, dass ein derartiger Ausbau des Turnens auf Kosten der Gemeindeverwaltung dieser oft nicht genehm war. Die geringen Erfahrungen auf dem Gebiete des Turnhallenbaus einerseits, die stets allzu grosse Bescheidenheit der Turnlehrerschaft, welche überglücklich war, dass man sie nicht ganz abwies, andrerseits, und vor allem eine an dieser Stelle völlig unangebrachte Sparsamkeit der Behörden vermochte, dass ein grosser Teil der bis 1885 etwa angelegten Turnhallen die gröbsten Fehler aufwies: statt Räumlichkeiten, die an grossen Turnplätzen angrenzend, Licht und Luft und vor allem Platz in Hülle und Fülle hatten, baute man vielfach kleine, schlecht heizbare und dunkle Häuser (Hallen kann man nicht sagen, warum, werden wir unten sehen!). Auch von einem andern Standpunkte kann man die Fehler jener Zeit verstehen. Man übersah im Turnen die hygienische Seite, Hess es nur als Erziehungsmittel gelten. Jedenfalls, von welchem Gesichtspunkte man auch die Begehung dieser Fehler auffasst, der Schaden war da, und dank der dauerhaften Bauart der Zeit spürt noch die heutige Schul- ') Vergl. seinen Jnliresbericht vom 22. 10. 1816: „So lange kein gehöriger bedeckter Raum für Turnübui gen stur Winterszeit ausgemittclt ist, wird die Turnkunst immer eine Alt von Wintci schlaf hnlleu". Darüber Rubi, Monatsehrift für das Turnwesen Hd. 8, 8. 129 ff. *) Siehe Guths Muths, Gymnastik für die Jugend, 1798, 8 266: „Unser Gymnasium sei, soviel es nur immer sein kann, das Freie. Wir wollen ja den Knaben an die veränderliche, bald heitere, bald düstere Natur gewohnen, wozu also grosse Gebäude?" Desgl. ebendaselbst S 326.

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