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Jüdische Turnzeitung · 1901-04-01 · 4 (4.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
4 (4.1901)
Date
1901-04-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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No. 4. 47- Wert dieses volkerziehlichen Mittels hinzuzufügen und zwar von einem mir naheliegenden Gesichtspunkte, dem hygienischen. Welchen hygienischen Wert hat das Turnen? Von dem rein physischen Standpunkte betrachtet, werden die Muskeln, Sehnen und Bandapparate des menschlichen Körpers befähigt, allmählich sich grösseren Widerständen anzupassen und sie zu überwinden. Nicht nur wird durch die starke Inanspruchnahme die Muskelsubstanz in ihren Elementen an Grösse und Zahl vermehrt, sondern es werden durch die Übung auch Coordinationen von Bewegungen möglich, deren Ausübung dem Ungeübten schädlich, ja gefährlich sein kann. Dies nennen wir gewöhnlich Gelenkigkeit oder Gewandtheit. Das allein aber hiesse den Wert des Turnens gering anschlagen. Welch rechter Turner, gleichviel ob dem Berufe nach Kaufmann oder Gelehrter, hätte nicht nach des Tages einförmiger Thätigkeit oft den Wunsch geäussert, dass er sich ordentlich mal wieder austurnen möchte. Es liegt in dieser Wunschäusserung das Bewusstsein eines gewissen durch das Turnen geschaffenen Wohlbefindens. Dasselbe lässt sich wissenschaftlich recht gut analysieren. Die Forschung hat nämlich gezeigt, dass der Mensch sich um so wohler fühlt, je grösser sein Stoffwechsel ist, d. h. je grösser sowohl die Einnahmen wie die Ausgaben im Haushalte des Körpers sind. Jedes Organ, das mehr angestrengt wird, braucht mehr Säftezufluss, regt seinerseits aber auch mehr zur Ausscheidung der Stoffwechselprodukte und der gebildeten Ermüdungsstoffe (Kohlensäure, Harnstoff, Wasser) an. So der angestrengte Muskel: er braucht mehr Blutzufuhr, das Herz muss mehr arbeiten, sein Sauerstoffbedürfnis wird ein erhöhtes. Wir atmen tiefer und öfter. Dadurch werden die Lungen gedehnt und der Ansiedlung von Mikroben (Tuberkelbacillen) der Boden genönjmeh. Zugleich wird eine grössere Wärmemenge produziert und abgegeben; die Transpiration wird angeregt, die Drüsenthätigkeit potenziert; durch die Bewegung und Anstrengung wird der Körper zu immer mehr Ausgaben veranlasst, er muss sie ersetzen, er bekommt Hunger und Durst •— der Appetit wird rege. Der erhöhte Stoffwechsel, die grössere Sauerstoffaufnahme einerseits, die Abgabe von Kohlensäure und Ermüdungsstoffen sowie der angeregte Appetit anderseits bilden die Analyse des Begriffes Wohlbefinden. Und wie das Wasser eines Sees sich täglich verjüngen und dennoch in seinem Wasserbestande gleich 4*

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