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Jüdische Turnzeitung · 1901-02-01 · 2 (2.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
2 (2.1901)
Date
1901-02-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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No. 2. 26. Krüppel, goss ihm die Sehnsucht nach Kraft in die Seele. Er trieb ihn zu springen, zu klettern, zu wagen. Und er bewies, was an ihm. Wer war wie sein Junge? Wer ihn gehen sah, so gross, so gelenk und so kräftig, der musste schmunzeln: „Das ist ein Kerl!" Und dann — eines Tages--Wie das Morgenrot einer neuen Zeit, wie die göttliche Erfüllung seiner Prophetie, sah Meyer etwas völlig Neues. Er las es fieberhaft da in der Zeitung, er las fiebernd wohl hunderte Mal. Ein Turnverein für die jüdische Jugend! Das war das Neue. Und sein Junge musste sofort hinein.-- Nun ist Meyer's höchster Traum ein Erlebnis. Er hat's heut gesehen, sein Glück, seinen Ruhm. Das Einst ist nun ausgelöscht. Der Wind heult wild. Der Schnee weht in Wirbeln. Von hinten schallt's höhnend: Hepp hepp, Jude, hepp!" Stille selig schlürft Meyer die Strasse hinab. Verklärt seine Augen. Er hinkt nur so kaum. Sein Junge, sein Junge!--- Litterarisches. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Verlag von S. Calvary & Co. Berlin NW. 7, Neue Wilhelmstr. 1. Uns liegt die erste Nummer des elegant ausgestatteten Heftes vor, dem sieb hervorragende Schrittsteller zur Verfügung gestellt haben, Es enthält interessant und geistvoll geschriebene Artikel aus dem weiten Gebiete der jüdischen Kunst, Wissenschaft und Litteratur. Künstlerisch ausgeführte Illustrationen verleihen dem neuen Organ besonderen Wert. Wir haben es mit einer Zeitschrift zu thun, welche die Beachtung eines jeden der deutschen Sprache mächtigen Lesers —- auch eines Christen — verdient, sofern er sich für jüdisches Leben interessiert. Es handelt sich beileibe nicht um die Gründung eines der unter Ausschluss der Oeffentlichkeit erscheinenden politisierenden Theologenblattchen — daran ist Gott sei Dank bei uns kein Mangel — sondern um ein modern-jüdisches Organ, das ein stolzes Selbstbewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl betont. Die Leistungen der Juden tragen den Stempel der Individualität, der Persönlichkeit, die Goethe als „höchstes Glück der Erdenkinder" preist. Es giebt ein jüdisches Volksganzes, eine innere Einheit, die jüdische Volksseele, die man zu finden und zu erkennen suchen muss. Das ist das Bestreben der Zeitschrift, „Ost und West", die wir angelegentlichst empfehlen.

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