Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 2 (2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2. 22. In ihm muss es warm sein, dass das draussen ihm nichts thut. Und ihm ist warm. Das hat dieser Tag gemacht und der glückswarme Abend nach den langen schneidenden Lebensfrösten. Es steht und schaut, das kuriose Männlein, ob auch die Strassenjugend ihn höhnt. Im Licht der Laterne sieht er alles noch einmal wieder-- Sein Junge!--- Da in der Halle hinten — das herrliche Fest! Die strammen jungen Leute in Reih und Glied, in den gleichen, den schimmernden Turnerhemden — die Zuschauer alle da ringsherum, die (einen Herren und Damen — die jungfrohen Lieder — der dröhnende Gleichtritt — und dann, und dann — — Sein Junge, sein Junge! Wie der konnte 's keiner. Wie der über allen, der Held, der König, unter dem donnernden, tosenden Beifallsjubel. Und erst der Abend! Er, er war mit dabei gewesen, ja er, der arme, lichtscheue, krüpplige alte Schuster aus der Kellerwerkstatt. Er hatte durchaus nicht gehen wollen, aber sein Junge, der hatte es einmal gewollt. Und so war er gegangen. Seinen struppigen, grauen, zerfressenen Bart, den hatte er vorher gekämmt und gekämmt, seine Stiefel wieder und wieder gewichst, ja seinen Krückstock mit Glaspapier weissgerieben, bevor er gegangen. Und dann war er im Saale gewesen, auf der lärmvollen Kneipe, am Vorstandstisch auf dem Ehrenplatz, neben ihm, seinem Jungen. Das war ein Glück! Und erst die Ehre! Sein Junge gekrönt mit dem Lorbeerkranz, umjubelt, umschwärmt und angetoastet. Und plötzlich gar — da hatte man seinen Namen gerufen, den alten, den niedrigen — und der Präses war aufgestanden und hatte ans Glas geschlagen und donnernd gerufen: „Der Vater unseres lieben Meyer, er lebe hoch!!" — ' . Wie die Gläser erklungen, wie das Rufen erbraust war, wie der Jubel gebrandet — das hatte er nicht bis zu Ende gehört. Denn hinaus war er gestürtzt, der alte Meyer, in den Augen dicke Thränen, in der Kehle ein Sticken--hinaus, fort — fort-- Nun steht er auf der Strasse im wilden Abend. „Hepp hepp, hepp, schallt es hinter ihm, und die Jungen werfen nach ihm Schnee.