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Jüdische Turnzeitung · 1901-01-01 · 1 (1.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
1 (1.1901)
Date
1901-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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4. jüdischen Mitgliedern, weil diese meist nur ein schwaches jüdisches, dagegen ein starkes deutsch-patriotisches Empfinden haben. Ist es nun denjenigen Jud3n, die noch mit ihrer Nation mitfühlen, deren Herz von der Schande fern- oder nahewohnender Brüder noch mitgetroffen wird, ist es ihnen genug, einer andern Nation nicht schädlich zu sein? Wenn Ihr bisher höchstens der Reinheit und Kraft jeder andern nationalen Idee im Wege standet, warum vereinigt Ihr euch nicht endlich, um das Feuer Eurer eignen Nationalität in Eurer Brust zu nähren? Oder ist der Verfall jüdischer Gemeinschaftlichkeit noch nicht gross genug, da doch bereits die Brüder des Ostens bei uns weder für ihre Id«en noch für ihre Leiden Verständniss finden? Das Geschlecht der Alten, die sich noch aufopfernd um die jüdische Gemeinde bemühten, die unter dem Eindruck des grossherzigen Wirkens von Crömieux und Montefiore freudig der Alliance isr. un. beitreten, die willig ihr Scherflein für die palästinensischen Armen gaben, geht dahin. Selbst die deutschen Schriftsteller des neuen emancipirten und aufgeklärten Judentums wie Abr. Geiger, Steinthal werden nicht mehr gelesen, geschweige die altunckrjeuhebräischen. Doch noch ist Hoffnung vorhanden. Die Juden im Osten sind erwacht. Sie werden munter -und rüstig; suchen profane westliche Bildung zu erwerben, ohne die eigene religiöse aufzugeben; bekämpfen durch ihre gemeinsame Anstrengungen ihre wirtschaftliche Not; ein ganzes Volk steht auf.*) Schon fassen sie grössere Pläne, um den Aermsten unter ihnen, den heimatlosen, eine sichere Heimstätte zu schaffen — so raffet auch Ihr Glücklichen im Westen Euch auf! Suchet wieder enge Fühlung mit Euren armen Brüdern, nehmt Teil an ihrem Geistesleben, dasf in unsrer alten Sprache nach neuen Formen ringt, stellet unter Euch selbst den engen brüderlichen Zusammenhang wieder her, bekennet wie Euren Glauben, so Euer Volkstum! Dieser Ruf ertönte schon vielfach. Mutige Streiter für die jüdisch-nationale Idee warfen die neuen Gedanken, die das alte Fühlen hervorlocken, unter die jüdische Menge, aber noch fehlt es an einer Vorkehrung, die auch die Ungelehrten erfasst und fesselt. Da muss also nach dem klassischen Muster der deutschnationalen Einheitsbewegung die Turnerei einsetzen. Sie bringt, es, indem sie uns zu einleuchtendem, wenn auch nicht unmittelbar praktischem Zweck in fröhlichem Spiel und Sang vereint, die Herzen wieder zu einander. Sie giebt Gelegenheit zu jüdisch- *) vgl, Sokolow's Bericht in stenogr. Protokoll des Londoner Zionistenkongresses.

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