Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 1 (1.1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4921092-5965005-5965144--0116-4921197- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. I. 2. Warum wir nicht in der deutschen Turnerschaft turnen? Von M. Friedlander (Berlini. Denselben realen Grund wie die ältere, jetzt wiederaufgenommene Propaganda für Ackerbau unter den deutschen Juden, denselben hat auch die neue, erst schwache Propaganda unter ihnen für das Turnen, nämlich ihre unleugbare körperliche Degeneration. Jahrhunderte lang haben sie sich des Gebrauchs der Waffen und körperlicher Uebungen überhaupt enthalten, Jahrhunderte lang sich einem einseitigen Gewerbe gewidmet und des freien Landlebens entwöhnt. Die Spuren auf dem heutigen Geschlechte sind tief und deutlich. Es bedarf also bei ihnen besonderer Anstrengungen für Turnen und sonstige körperliche Uebungen, um den Schaden wettzumachen und ein Geschlecht heranzuziehen, das nicht durch seinen grössten Prozentsatz an Taubstummen und Nervenkranken alle hervorragende Bethätigung, die ihm nachgesagt werden kann, aufwiegt. Eine besondere jüdische Propaganda ist natürlich im Rahmen der deutschen Turnerschaft unmöglich. Wird doch schon jetzt vielfach den Juden in vielen Vereinen dieser Organisation die Mitgliedschaft verwehrt oder verleidet. Und selbst in denjenigen Vereinen, die ohne weiteres Juden aufnehmen und eben deswegen ausserordentlich stark von Juden frequentiert sind, ist deren Stellung doch nicht so sicher und von Angriffen frei, wie es scheint. Wo offen ausgesprochene Anträge, die ihren Ausschluss bezwecken, nicht gestellt werden, scheut man sich doch nicht, hinter ihrem Rücken dem Wunsche, mitunter in recht derben Worten, Ausdruck zu verleihen, dass man sie am liebsten weit weg wünsche. Eine Teilnahme an allen Veranstaltungen des Vereins ist ihnen nicht recht möglich, da der unbestreitbare christlichdeutsch-nationale Charakter dieser Vereine ein Ausleben und Aufgehen der Juden in ihnen ganz von selbst verbietet: daher das mit unrichtigen Gründen motivierte Fernbleiben von den officiellen Weihnachtskneipen, Eisbeinessen des Vereins etc. Beide Bestrebungen, die für Bodenkultur und die für körperliche Ausbildung, müssen von den Juden aus eigner Kraft und unter sich vollbracht werden, wobei sie dann hoffen dürfen, von den Behörden, wo es not -thut, auch gefördert zu werden. Es giebt aber einen tieferen idealen Grund, jüdische Turnvereine allenthalben, wo Juden wohnen, ins Leben zu rufen, einen