Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 8 (12.1900)
- Date
- 1900-12-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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tlo. 8. 82. Die Erlösung des Judentums? Eine Erwiderung von Max Besser. Wer die Oktobernummer der preussischen Jahrbücher zur Hand nahm und darin die obigen Worte las, die die Ueberschrift eines von einem Juden unter dem Pseudonym Benediktus Levita veröffentlichten Artikels bilden, dem möchte sich im Augenblick die angenehme Vorstellung aufdringen, dass die natiopaljüdische Idee auch in dieser officiellen Zeitschrift eine eingehende Würdigung erfahren habe. Diese Hoffnung wird allerdings gründlich zerstört, denn — um das Resultat des Artikels gleich vorwegzunehmen, — der Verfasser zeigt mit dem Schlusswort seiner Darlegungen: „Unsere Kinder werden Christen", dass er sich die Erlösung des Judentums in einer unseren Bestrebungen gerade entgegengesetzten Weise denkt. Und doch beanspruchen seine geistreichen Ausführungen, die eine fein empfindende Natur verraten, unser vollstes Interesse, ja sie beweisen uns, so paradox das auch klingen mag, dass der Weg, den wir beschritten haben, der rechte ist. Da nun der Artikel des Herrn Benediktus Levita eine Flut von Entgegnungen in den jüdischen Zeitungen hervorgerufen hat, diese aber meines Erachtens fast durchweg nicht geeignet sind, die Situation zu klären, so erscheint es mir angebracht, die Gedanken des Verfassers einer von Hass und Voreingenommenheit ungetrübten Kritik vom jüdisch-nationalen Standpunkte aus zu unterziehen. Wodurch sich Herr Benediktus Levita in wohlthuender Weise von unseren übrigen Gegnern unterscheidet, das ist das volle Eingeständnis des Vorhandenseins einer nationalen Sonderstellung der Juden. Das tritt schon in den ersten Worten seines Artikels hervor, in denen das Verhältnis des Judentums zum Deutschtum als ein unbefriedigendes bezeichnet wird, und zieht sich wie ein roter Faden durch seine Ausführungen hindurch. Waren wir bisher gewohnt, dass unsere Gegner die Existenz der jüdischen Nationalität durchaus leugneten und somit die feste Basis unserer Anschauungen erschüttern wollten, so tritt uns hier die merkwürdige Erscheinung entgegen, dass trotz alles Strebens nach Assimilation die Vorbedingung unserer Bewegung, der Glaube an unsere nationale Eigentümlichkeit, anerkannt und sogar die von einem tiefereu Verständnis zeugende Bemerkung gemacht wird, dass im Judentum die Religion nichts anderes ist als die Form, in der sich nationales Leben äussert. Während sonst die lieben „Deutschen jüdischen Glaubens" die mit den selbstgewählten germanischen Vorfahren eigentlich nur das dicke Fell gemeinsam haben, trotz aller moralischen und physischen Fusstritte, trotz der Concessionierung „blumenreicher" Reden durch die