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Jüdische Turnzeitung · 1900-11-01 · 7 (11.1900) · p. Seite 78

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
7 (11.1900)
Date
1900-11-01
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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»Co 7. 78. für jüdische Knaben, wie deren bereits einige vorhanden, in grösserer Zahl errichtet werden; mit verhältnissmässig geringen Mitteln sind solche zu beschaffen. Wie gesagt, würden die Palliativmittel, die ich in Aussicht genommen, nicht nur die Energie und Selbsthilfe der Ghettojuden aufs höchste anspannen, sondern auch die Wohlthätigkeit der Reichen in grösstem Masse in Anspruch nehmen. Diese Wohlthätigkeit aber würde ihre Grenze darin finden, dass dieselbe schon jetzt mit den so häufig vorkommenden Feuersbrünsten, Hungersnöthen, Ueberschwemmungen, Judenkrawallen, welche sich ebenfalls als Naturnothwendigkeit eingebürgert haben etc., vollauf zu thun hat, und ausserdem ist der wichtige Umstand zu berücksichtigen, dass die allgemeine Judenmisere, die auf alle Gesellschaftsclassen zurückwirkt, jahrein, jahraus tausende wohlhabender Juden an den Bettelstab bringt. Ich komme daher zum letzten Schlüsse, zu meinem ceterum censeo, zu der These, die ich in Gemeinschaft meiner Gesinnungsgenossen, in Gemeinschaft aller Zionisten aufzustellen wage : „Das Ghetto-Judenthum kann im Ghetto selbst physisch, also auch moralisch nicht gesunden; das kann nur ausserhalb desselben, auf eigenem Grunde und Boden, und zwar in dem einzigen Lande geschehen, wo es überhaupt auf dem ganzen Erdenrund ruhig geduldet werden wird; in einem Lande, wo es neue Säfte und Kräfte zu seiner körperlichen und geistigen Hebung ziehen muss. Nur eine mit grosser Um- und Vorsicht geleitete Massenemigration nach Palästina, dem Anziehungspunkte par excellence der Ghettojudeu, kann mit der Zeit ein neues, frisches Judengeschlecht heranwachsen sehen — das jetzige ist physisch als halb verkommen aufzugeben — ein Geschlecht, welches, durch die unendlichen Leiden und Qualen seiner Altvordern geläutert, vielleicht der Welt zum zweitenmale eine Heilslehre verkünden würde, die Heilslehre von der socialen Gerechtigkeit, die bis nun allüberall so schnöde mit Füssen getreten wird, und deren Missachtung die Menschheit an den Rand der moralischen Versumpfung zu führen droht. Diese grosse Aufgabe, vielleicht eine dergrössten des anbrechenden Jahrhunderts, könnte wohl gelöst werden, wenn die gesammte Judenheit es nur wollte; wenn die Juden endlich ihr Marranenthum, das zu nichts führt und sie nur lächerlich und den arischen Völkern verächtlich macht, abstreifen, Farbe bekennen und sich als Nation wiederfinden wollten; wenn die Juden all die Millionen, die sie jährlich für verschiedene Stiftungen verwenden, welche am wenigsten den Juden zugute kommen, dem Zwecke der Colonisation Palästinas zuwenden würden;

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