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Jüdische Turnzeitung · 1900-09-01 · 5 (9.1900) · p. Seite 51

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
5 (9.1900)
Date
1900-09-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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tto. 5. Die Frage der körperlichen Hebung der osteuropäischen Juden. Auszug ans dem Referat des Professors Dr. Mandelstamm (Kiew).* .... Indem ich nachzuweisen hoffe, dass die decrepide, erbärmlich schwache Leibesbeschaffenheit der Ghettojuden das ausschliessliche Product ihrer trostlosen social-ökonomischen Lage ist, so brauche ich die Juden der westlichen Länder nicht zu berücksichtigen. .... .... Es versteht sich nun von selbst, dass ich die körperliche Hebung der Ghettojuden nicht eher besprechen kann, bevor ich nicht die hochverehrte Versammlung mit dem Milieu, dem Medium bekannt gemacht haben werde, innerhalb dessen diese Unglücklichen leben oder besser gesagt: vegetieren. Von diesem Milieu wird sich aber, trotz meiner Schilderung, derjenige schwer einen Begriff machen können, welcher nicht unter den Ghettojuden gelebt hat. Dennoch will ich die hochverehrte Versammlung auffordern, dass sie sich auf einen Augenblick im Geiste in das Judenviertel des East End versetze, etwa in das Whitechapel mit seinen dumpfen, schmutzigen Nebengässchen, seinem Elend und Jammer, und dass sie sich alsdann diesen Theil des East End in hunderttausendfacher Vergrösserung vorstelle, auf einen Flächenraum von über 20 000 Quadratmeilen ausgedehnt, gleichsam als East ohne Ende, mit etwa 6—7 Millionen Insassen, und alsdann noch wird die hochverehrte Versammlung bloss ein abgeblasstes Bild von dem erlangen, was man das Ghetto des Ostens nennt. Diese meine Behauptung könnte manchem allerdings als übertrieben erscheinen, wenn die Juden nicht ausschliesslich in den Städten und Städtchen eingepfercht wären, und wenn das flache Land ihnen nicht unzugänglich gemacht worden wäre. Was einst in den Dörfern gelebt und die Vortheile genoss, welche Wald, Wiese und Flur dem körperlichen Wohlbefinden des Menschen bieten, wurde von da vertrieben, in die Flecken und Städtchen gejagt und daselbst auf einen engen, «antiliygieniscben Kaum zusammengedrängt. Auf diese Weise ist die jüdische Bevölkerung des Ghetto der elementarsten Bedingungen beraubt, die eine einigermassen normale, leibliche Entwicklung der Volksmasseu gestatten. .... Ein Nest von 1000 bis 2000 oder mehr Seelen, gewöhnlich von der Landstrasse abgelegen, mit erbärmlicher Wegecommunication, * Dos beschränkte» Raumes wogo» ist os uns loider um möglich, oinon Teil dös hochinteressanten Vortrages, der auf dem IV. Zioiüätenkongress gehalten wnrdo, zuin Abdruck zu bringen. Die Redaktion.

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