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Jüdische Turnzeitung · 1900-07-01 · 3 (7.1900) · p. Seite 29

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
3 (7.1900)
Date
1900-07-01
Page
Seite 29 (sequence 9)
Language
German
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t?o. 3. 29, folgen sollte, zeitig zu Bette oder besser zum Strohlager zu gehen. Es wurden nämlich Strohmatratzen auf den Boden gelegt und für je 3 Mann «in« Decke, — dies war unser Logis. Natürlich war an ein Schlafen für die erste Zeit überhaupt nicht zu denken. Ein heftiger Kampf um die Decken begann, der oft durch ein donnerähnliches poltern betrunkener Bauernlünimel im Nebenzimmer unterbrochen wurde. Nach einiger Zeit, es mochte etwa l Uhr sein, war alles still; nur einer oder der andere wachte noch und schlief erst viel später ein. präzise Uhr morgens fand der allgemeine Aufbruch statt, die lvirtsleut« wurden herausgetrommelt und nachdem der mit „Bliemchen" recht nah« verwandle sog. Kaffee heruntergegossen war, ging es mit fröhlichem Sang in die frische Morgenluft hinein. Ein jeder, mochte er die Nacht auch nur zwei Stunden geschlafen haben, fühlte sich wohl und frisch. Zn schnellem Marsche wurde die Straße nach Rheinsberg zurückgelegt. ZnRheinsberg selbst genoffen wirvordem „Ratskeller' unter dem Dache prächtiger Kastanien erst unser eigentliches Frühstück, besahen uns, freilich nur flüchtig, das berühmt« Rheinsberger Schloß und di« Parkanlagen mit ihren uns auf Schritt und Tritt begegnenden Erinnerungen an die Rheinsberger Tage Friedrichs des Großen und seiner Bruders, di« freundliche Kirche rc. und zogen dann auf ziemlich öder Straße dem Menzer Forst zu, der sich bis ins Meklenburgische hinein erstreckt. Endlich war der langersehnte, sagenumwobene große Stechlin erreicht, ein cr. 500 ha großer See, nach dem der Fontanesche Roman benannt ist. In Neu- Globsow wurde bei Lippert längere Rast gemacht, die di« einen zum Baden benutzten, während ander« auf grünem Rasen ihr Schläfchen abhielten. Die Zeit war unterdeffen so weit vorgeschritten, daß es aussichtslos erschien, Fürstenberg zu Fuß zu erreichen. Lin Leiterwagen führt« uns Folter die Polter durch prächtige Buchenhallen am Augustablick vorüber nach Steinförde und von hier nach Fürstenberg, lvir hatten gerade noch Zeit, uns eine kleine lveiße von recht zweifelhafter Güte zu leisten, als der Stralsund—Berliner Bahnzug heranbrauste. Abends 8/* U Uhr trafen wir in Berlin wieder ein und eilten im Geschwindschritt den heimischen Penaten zu. Nur einige Herren hielten noch eine kleine Vereinssitzung auf der Straße ab. Aber auch diese schliefen vor Mitternacht sicherlich den Schlaf der Gerechten. Die Erinnerung an die herrliche Fahrt in die Grafschaft Ruppin und der Abstecher ins Meklenburgische wird noch recht lange in unserem Gedächtnis fortleben. M. Zirker.

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