Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1900-07-01 · 3 (7.1900) · p. Seite 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
3 (7.1900)
Date
1900-07-01
Page
Seite 28 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4921092-5965003-5965136--0037-4921125
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 3. 28. Uufsve Turnfahvt im Nuui. Am (0. und U. Juni unternahm die Rlänner-Abteilung an Stelle der ausgefallenen pfingstturnfahrt eine zweitägige Wanderfahrt von Neu- Ruppin nach Rheinsberg und Fürstenberg (Meckl.). Da die Rollegien schon begonnen hatten und auch nur wenige Raufleute Urlaub erhielten, war die Beteiligung recht gering, es nahmen nur (( Herren an der Fahrt teil. Und doch hätte gerade diese Turnfahrt, die an landschaftlichen Reizen so vieles bot, eine zahlreichere Beteiligung verdient. Früh 6,37 fuhren wir vom Stettiner-Bahithof ab und kamen nach lustiger Fahrt (im „Salonwagen^ wurden Frei- und Vrdnungsübungen ausgeführt) um 97* Uhr in Neu-Ruppin an. Nach kurzer Besichtigung der Stadt ging es die schöne schattige Straße nach Molchow (bei Alt-Ruppin), das seinen Namen durchaus nicht verdient. Von hier am Tetzen- und Zermützelsee und nach einem kurzen Abstecher zu zwei kleinen in reizender Waldeinsamkeit geiegenen Seren, den beiden Rellen, nach Forsthaus Ltendenitz, wo längere Rast gemacht wurde. Bei einem Glase famosen Apfelweins und dem schon jetzt endenden Proviante genossen wir von einer dicht am Wasser gelegenen natürlichen Laube den herrlichen Blick auf den buchtenreichen Zermützelsee. Nur ungern trennten wir uns von dem gastlichen Förster, der mit seiner herkulischen Gestalt, seinem gebräunten Gesicht, seiner jovialen Redeweise das Bild eines Jägers, wie wir es uns innerlich vorgestellt, noch übertrumpfte. Im geschloffenen Marsch zogen wir weiter nach Forsthaus Rottstiel am Tornowsee. Wir befanden uns nunmehr in der eigentlichen Ruppiner Schweiz, herrlicher Laubwald, wundervolle, spiegelglatte Seeen, deren stumme Aufforderung zum Bade nicht unbefolgt blieb, romantische Bächlein, an deren Ufern jäh abstürzende Abgründe mit schmalen Fußsteigen bei gehöriger Phantasie wohl an die- Schweiz erinnern mochten, das ist die Ruppiner Schweiz, di« freilich mit den vielen anderen „Schweizen", sich nicht messen kann vielleicht mit der märkischen, welche aber doch so vieles bietet, daß man sich freut, diese Gegend aufgesucht zu baden. Und noch einen Vorteil hat sie. Der Berliner Sonntagsausflügler überflutet sie noch nicht, man sieht am Wege selten mal eine zerbrochene Weißbierkruke, fast eben so selten Stullenpapierl Unser Weg führte uns weiler über Binenwalde nach Zählen, unserem Nachtquartier. Neugierige Dorfjungen empfingen uns mit Gejohl, jedenfalls wollten sie ihrer Freude über unsere schon vorher mitgeteilte Ankunft den üblichen Ausdruck verleihen. Nach kurzer Generalreinigung und innerer Stärkung wurde eine flotte Rneipe eröffnet; doch beschloß man, da der Aufbruch recht früh er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.