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Jüdische Turnzeitung · 1900-05-01 · 1 (5.1900) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
1 (5.1900)
Date
1900-05-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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No. 1. 2. Spiel« und Vergnügungen dir deutschen Juden im Mittelalter. Von Dr. A. Berliner.*) .... Das allgemeine Tanzhaus, welches wie die Zünfte, so auch jede grössere Gemeinde zum geselligen Vergnügen und zur Feier von Familienfesten besass. vereinigte oft das schöne Geschlecht zum Tanzewobei die möglichste Pracht entfaltet wurde. Durften ja hier die jüdischen Töchter ohne den mit zwei blauen Streifen kennbar gemachten Schleier erscheinen und die Herren ohne das Radzeichen am Gewände und den horaartig gekrümmten oder trichterartig geformten Hut auf dem Haupte! Dagegen sehen wir hier Damen und Herren mit den beim Tanze unerlässlichen kostbaren Gürteln geziert — wer desgleichen nicht besass, nahm zum Entleihen seine Zuflucht und bezahlte gewöhnlich zwei Denare als Leihgeld. ..... .... Auf einer Sammlung von Volks- und Gesellschaftsliedern in jüdisch-deutscher Schrift, welche etwa in den Jahren 1595—1605 in Worms entstanden ist1, teilen wir folgendes Tanzlied mit: Jungtraulein, wolt ir nicht mir ein tentzlein tun; ich bitt, ir wolt mirs nit vor übel fröhlich muss ich sein, [hon, dieweilen ich es hab und kann. 3. Euer zarter junger leib hat mich n heb verwunt, auch euer euglein klar darzu euer roter mund; sehliesst euer arme. ein. feins lieb, wol in die mein, so wird mein herz gesund. 3. Nun tanzen wir den lieblichen Reien und wellen (mit) einander frisch fröhlich sein, weil es geschieht und in eren allein. 4. Wer will uns weren ein frölichen mut, weil uns solches das Glück nit nemen tut? schöne Jungfrau, schöne Jungfrau, nemt also vürgut. Die ersten beiden Strophen sind für den „umbgehenden Tanz“ bestimmt, Str. 3 und 4 aber für den Springtanz, Dieses Lied, wie viele andere in jener Sammlung, entstammen nicht jüdischen Vorlagen, bei denen der Sammler zuvörderst alle Stellen entfernt hat, die bei ihm als Juden Anstoss erregen, dann hat er die *) Mit gtttiger Erlaubnis dei Herrn Verfassen abgedrnckt ans dem 9. Kapitel seines Werkes .Ans dem Leben der deutschen Jaden im Mittelalter*, M. Poppelaner. Berlin 1900. Leider zwingt uns der beschränkte Raom, nur einen Teil des interessanten Kapitels abzndraoken; wir behalten uns jedoch für später eine Verwertung auch des übrigen Inhalts vor und hoffen, dass die reichen Quellenangaben des Buches unsere Mitglieder zu eingehendem Studioih dieser Materie und den einen oder andern vielleirat zu einem Vortrage darüber veranlassen werden. — Der Herr Verfasser selbst bemerkt in seinem Vorwort, dass ihm zwar viel grosseres Material zur Verfügung gestanden, jedoch die Anlage und der Umfang des Baches ihm eine besondere Oekonomiein dem Verbrauche des Stoffes vorgeschrieben habe. . *) 8. die Abhandlung von F. Rosenberg in der Zeitschrift der Geschichte der Jaden in Deutschland II

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